Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Nun versprechen Union und SPD, kleine und mittlere Einkommen zu entlasten. Das Ziel ist gut, nachdem es schon lange keine echte Reform mehr gegeben hat.
Stattdessen hat es seit einer gefühlten Ewigkeit nur einen Ausgleich der kalten Progression gegeben, also der schleichenden Mehrbelastung aus dem Zusammenspiel von Inflation und progressivem Steuertarif. Da war es egal, ob der Finanzminister von der CDU, der SPD oder der FDP gestellt wurde, ob er Wolfgang Schäuble, Olaf Scholz oder Christian Lindner hieß. Man hat ein bisschen den Tarif verschoben – und das war’s.
Als Folge dieser Minimalkorrekturen sind Normalverdiener in Bereiche gerutscht, die für Besserverdiener vorgesehen waren. Viele zahlen heute auf Teile ihres Einkommens den Spitzensteuersatz – plus Sozialbeiträge. Das spricht in der Tat dafür, den Tarif zu strecken.
Doch das allein macht keine Reform groß und gut. Viel wird von der Gegenfinanzierung abhängigen. Also Vorsicht mit der Vorfreude, sonst ist am Ende nur die Enttäuschung groß.