Angeblich Präsidenten beleidigtDW-Journalist wegen schwerer Vorwürfe in Ankara festgenommen
20.02.2026, 10:04 Uhr
Behörden nehmen in Ankara einen Deutsche-Welle-Journalisten wegen angeblicher „Präsidentenbeleidigung“ fest. Unterstützer sehen jedoch einen anderen Grund: Alican Uludag könnte mit seinem Artikel die türkische Regierung verärgert haben.
In der Türkei ist ein Mitarbeiter der Deutschen Welle (DW) wegen des Vorwurfs der „Verbreitung irreführender Informationen an die Öffentlichkeit“, „Beleidigung des Präsidenten“ sowie „Beleidigung der türkischen Nation, des Staates und der Institutionen“ festgenommen worden. Der Reporter Alican Uludag sei in der Hauptstadt Ankara aufgrund von Inhalten, die er über sein Nutzerkonto auf X verbreitet habe, in Gewahrsam genommen worden, erklärte die Staatsanwaltschaft in Istanbul. Im Laufe des Tages werde Uludag der Staatsanwaltschaft vorgeführt.
Der Anwalt des deutschen Auslandssenders sagte hingegen, Uludag werde wegen eines Artikels über die mögliche Rückkehr von Sympathisanten der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) festgehalten. Es gehe um einen Text mit dem Titel „Die Türkei bereitet sich auf die Rückführung türkischer Staatsbürger vor, die dem Islamischen Staat angehören“, sagte Rechtsanwalt Tora Pekin. Ihm zufolge sollte Uludag noch am Donnerstagabend von Ankara nach Istanbul gebracht werden.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer forderte die sofortige Freilassung des Korrespondenten. „Ich fordere die türkische Regierung auf, dafür zu sorgen, dass Alican Uludag sofort aus der Haft entlassen wird.“ Und weiter: „Journalistische Arbeit ist keine Straftat.“ Die Vorwürfe der türkischen Regierung gegen den DW-Journalisten seien haltlos. „Er muss freigelassen werden. Die Deutsche Welle und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen in der Türkei frei arbeiten und unabhängig berichten können.“
„Teil der gerichtlichen Schikanen gegen seriöse Journalisten“
Auch die DW und ihre Intendantin Barbara Massing wiesen die Vorwürfe zurück und forderten seine umgehende Freilassung. Die Türkei steht in der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen (RSF) auf Platz 159 von 180 Staaten. Die Organisation bezeichnete die Festnahme Uludags als „Teil der gerichtlichen Schikanen gegen seriöse Journalisten“ in der Türkei. Uludag könnte „mit seinen Recherchen die Regierenden verärgert haben“, erklärte RSF-Vertreter Erol Onderoglu.
Im Januar hatte im an die Türkei angrenzenden Syrien die Armee die Kontrolle über zuvor von kurdisch dominierten Kräften beherrschte Gebiete erlangt. In dort gelegenen Gefangenenlagern befinden sich Tausende mutmaßliche Dschihadisten. Das für den Nahen und Mittleren Osten zuständige Regionalkommando der US-Armee (Centcom) brachte nach eigenen Angaben bereits mehr als 5700 Gefangene von dort aus in den Irak. Die USA wollen nach eigenen Angaben insgesamt rund 7000 Gefangene transferieren – und haben mehrere Staaten aufgefordert, ihre in den Lagern befindlichen Staatsbürger zurückzuholen.
Die türkische Regierung hat auf Anfrage bislang keine Angaben dazu gemacht, ob unter den festgehaltenen mutmaßlichen Dschihadisten auch türkische Staatsbürger sind und ob diese in die Türkei zurückgebracht werden.
Source: n-tv.de