Amnesty: „Tödliche Strategie“: Libanesische Rettungskräfte beklagen gezielte Angriffe aus Israel

Amnesty: „Tödliche Strategie“Libanesische Rettungskräfte beklagen gezielte Angriffe aus Israel

23.03.2026, 11:02 Uhr

Ein Rettungswagen vor einem zerstörten medizinischem Zentrum in Bourj Qalaway im Südlibanon. Zwölf medizinische Einsatzkräfte – Ärzte, Rettungskräfte und Krankenpfleger – wurden bei dem israelischen Angriff getötet. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Israel greift seit drei Wochen im Libanon an. Rettungskräfte werden bei den Luftangriffen besonders häufig getötet. Angriffe mit System, vermuten die medizinischen Einsatzkräfte einem Bericht zufolge. Sie ergreifen bestimmte Vorsichtsmaßnahmen.

Libanesischen Rettungskräften zufolge nimmt das israelische Militär bei seinen Angriffen gezielt medizinische Hilfskräfte und Einrichtungen ins Visier. Das berichtet der britische „Guardian“, der mit neun medizinischen Mitarbeitern sprach, darunter Augenzeugen von israelischen Angriffen auf drei verschiedene medizinische Einrichtungen. „Israel wendet dieselbe tödliche Strategie an, mit der es 2024 im Libanon Dutzende von Gesundheitsfachkräften getötet und die Gesundheitsversorgung zerstört hat“, schreibt Amnesty International in einem Statement.

Seit der Krieg am 2. März mit Angriffen der Hisbollah auf Israel und Gegenschlägen des israelischen Militärs begann, wurden laut libanesischem Gesundheitsministerium 40 Rettungskräfte getötet und 107 weitere verletzt. Zahlen der WHO zufolge wurden in den ersten zwei Wochen des Krieges 30 Rettungskräfte getötet. Dem Bericht zufolge ereigneten sich die meisten Angriffe, während die Betroffenen im Krankenwagen oder in Erste-Hilfe-Stationen saßen. Außerdem soll Israel mindestens fünf „Double-Tap“-Angriffe durchgeführt haben. Bei solchen Angriffen folgt auf einen ersten Angriff eine Pause, damit medizinisches Personal eintreffen kann, bevor das Gebiet dann ein zweites Mal bombardiert wird.

Der „Guardian“ besuchte drei zerstörte medizinische Zentren in den Provinzen Nabatieh und Tyros und untersuchte zwei beschädigte Krankenwagen. An keinem der Orte fanden sich demnach Hinweise auf eine militärische Nutzung. Auch Amnesty International hatte 2024 vier israelische Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen und medizinische Fahrzeuge untersucht und dabei keine Hinweise auf militärische Nutzung gefunden. Die NGO forderte, die Angriffe als Kriegsverbrechen zu untersuchen.

In einer aktuellen Erklärung sagte ein israelischer Militärsprecher dagegen, dass Krankenwagen und medizinische Einrichtungen im Libanon für militärische Zwecke genutzt würden. Das libanesische Gesundheitsministerium wies diese Behauptung zurück. Das israelische Militär hatte bereits 2024 eine ähnliche Behauptung aufgestellt.

Die überwiegende Mehrheit der Angriffe richtete sich dem „Guardian“-Bericht zufolge gegen die Islamic Health Association (IHA), einen mit der Hisbollah verbundenen Gesundheitsdienst, der laut Amnesty „in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium im gesamten Libanon medizinische Versorgung anbietet“, und mit dem libanesischen Gesundheitsministerium zusammenarbeitet. Israelische Luftangriffe sollen zudem den staatlichen Zivilschutz, den Gesundheitsdienst der Islamic Scouts Association der Amal-Bewegung, eine lokale Gesundheitshilfsorganisation sowie das Libanesische Rote Kreuz getroffen haben.

Den Rettungskräften zufolge sollen die Angriffe das Leben im Libanon „unerträglich“ machen. Sie seien „als fester Bestandteil weiterer israelischer Angriffe auf die zivile Infrastruktur“ zu betrachten. Die Sanitäter berichteten, dass sie Vorsichtsmaßnahmen ergriffen haben, damit im Falle ihres Todes nicht auch andere mit ihnen ums Leben kommen. Die Anzahl der Mitglieder pro Team wurde demnach von drei auf zwei reduziert. Ersthelfer dürfen während der Arbeitszeit weder Familie noch Freunde besuchen und müssen Abstand zu anderen halten. Außerdem schlafen sie in weit voneinander entfernten Krankenwagen, damit ein einzelner Angriff nicht mehrere Gruppen tötet.

Quelle: ntv.de, toh

Source: n-tv.de