Für den amerikanischen Präsidenten Donald Trump sind es im Moment keine guten Nachrichten: Die Märkte reagieren auf seine Politik zunehmend ablehnend. Allein am Dienstag gab der amerikanische Index S&P 500 zwei Prozent nach. Während des ersten Jahres seiner zweiten Amtszeit haben sich die heimischen Aktienmärkte unterdurchschnittlich entwickelt. Während der Dax in den vergangenen zwölf Monaten rund 18 Prozent zulegen konnte, waren es beim S&P 500 nur rund zwölf Prozent. Eine bittere Nachricht für den Mann, der seinen Erfolg auch immer eng mit den Märkten und neuen Kursrekorden verknüpft hat.
Die amerikanische Politik steht nicht erst seit den wahnwitzigen Ankündigungen, Grönland übernehmen zu wollen im Fokus – verbunden mit der Ankündigung von Zöllen gegenüber mehreren europäischen Verbündeten, darunter Deutschland. Ob diese das abermals hinnehmen und sich so demütigen lassen wie bei den ersten Zollankündigungen ist offen. Zumindest wurde die Ratifizierung des entsprechenden Abkommens verschoben, auch Gegenzölle hin bis zur berühmten „Handels-Bazooka“ liegen auf dem Tisch. Da muss man nicht einmal darüber sprechen, dass die Zollpolitik Wohlstand nicht nur in Amerika, sondern in der ganzen Welt vernichtet hat.
Rendite amerikanischer Anleihen steigt
Dazu steht auch die Unabhängigkeit der amerikanischen Geldpolitik in Frage, seitdem die Angriffe auf Jerome Powell, dem Chef der amerikanischen Notenbank Fed zunehmen – der übrigens von Trump selbst in seiner ersten Amtszeit nominiert wurde. Der Präsident ist mit der Zinspolitik nicht einverstanden, die sich streng an wirtschaftlicher Logik orientiert und nicht an Launen der Regierung.
Doch im Hintergrund passiert etwas, was Donald Trump deutlich mehr beunruhigen dürfte. Denn das Motto „Sell America“ herrscht nicht nur an den Börsen vor, sondern auch an den Anleihemärkten. Da war die Nachricht, dass sich ein dänischer Pensionsfonds von Staatsanleihen im Wert von 100 Millionen Dollar trennt, nur eine Randnotiz. Viel eher lies da die Nachricht aufhorchen, dass Pimco sich von amerikanischen Vermögenswerten trennen möchte. Die Politik der amerikanischen Regierung sei schlicht zu unvorhersehbar, sagte der für die Anlagepolitik zuständige Vorstand Dan Ivascyn der „Financial Times“. Pimco ist nicht irgendwer, sondern einer der weltgrößten Investoren.
Amerikanische Anleihen mit herausragender Bedeutung
Das ließ die Renditen für zehnjährige Bonds auf 4,3 Prozent schnellen. Nirgendwo sonst ist das Land so verwundbar wie bei den Staatsschulden. Denn das Land hat Anleihen – die so genannten Treasuries – im Wert von 26 Billionen Dollar im Umlauf. 26 Billionen, das ist eine Zahl mit 13 Nullen. Würde das Land jedes Jahr eine Milliarde davon zurückzahlen, würde es 26.000 Jahre dauern.
Die Anleihen sind über die Jahre zu so etwas wie dem Gold-Standard der Anlageformen geworden. Warren Buffett schwört auf sie, weil er so seine riesigen Barbestände verzinsen kann. Sie haben allein ob der schieren Menge eine unglaublich hohe Liquidität, sie gelten als ausfallsicher und sind somit das Rückgrat des weltweiten Finanzsystems. Der amerikanische Finanzminister Scott Bessent betonte in Davos, die amerikanischen Anleihen seien der „der liquideste Markt, die Basis für alle Finanztransaktionen“. Nahezu jeder große Akteur auf den Märkten hält sie – seien es Pensionsfonds, Banken, Versicherungen oder Pensionskassen.
Schon einmal zog Trump zurück
Wenn nun die Nachfrage nach solchen Anleihen sinkt, aus welchen Gründen auch immer, fallen deren Kurse und die Renditen steigen. Das würde konkret für die amerikanische Regierung bedeuten: Die Schuldenaufnahme wird für das Land teurer. Wenn sie für das Land teurer wird, wird es natürlich auch für Menschen teurer, die in dem Land leben. Und genau das ist es, was Trump fürchtet. Denn eigentlich hat er versprochen, dass alles günstiger wird – und von dem Versprechen ist Donald Trump weit entfernt.
Wie empfindlich der amerikanische Präsident darauf reagiert, konnte man zum so genannten „Liberation Day“ sehen, als die weltweiten Zölle verkündet wurden. Damals stiegen die Anleiherenditen der zehnjährigen Anleihen innerhalb weniger Tage von 4,2 auf 4,7 Prozent – eine Reaktion, die Trump dann auch zum Einlenken brachte. Die Zölle wurden ausgesetzt und auf Verhandlungen gesetzt.
Europa ist der größte Gläubiger der USA
Und hier kommt wieder Europa ins Spiel. Der Kontinent ist der mit Abstand größte Gläubiger der USA. Mehr als 3,65 Billionen werden hier gehalten. Auf Platz zwei kommt dann Japan mit 1,1 Billionen und auf Platz 3 dann China mit 0,9 Billionen. Mit dieser Menge hat man theoretisch auch großen Einfluss. Verkauft Europa in großen Stil diese Anleihen, würde die Rendite weiter steigen.
Doch ganz so einfach ist es nicht. Nicht umsonst schreckte China beim Zollstreit vor dieser Idee zurück. Zwar trennte sich das Land schrittweise von seinen Beständen, doch ein schlagartiger Abverkauf blieb aus. Zum einen: In Europa ist die Geldpolitik unabhängig von der Politik und es gibt auf sie auch keine Angriffe wie in den Vereinigten Staaten. Dass sich die Notenbanken von den Anleihen direkt trennen, ist daher eher eine theoretische Überlegung. Möglich wären dann eher indirekte Wege: Die europäischen Bankenaufseher könnten die institutionellen Investoren dazu verdonnern, höhere Risikogewicht für amerikanische Staatsanleihen zu verlangen. Damit würden die Anleihen automatisch weniger attraktiv werden.
Europa ist selbst Abhängig von den amerikanischen Anleihen
Doch mit einem Abverkauf der Anleihen würde sich Europa auch selbst schaden und für weitere Verwerfungen an den Finanzmärkten sorgen. Damit der Abverkauf Trump schmerzt, wäre eine riesige Größenordnung notwendig. Dieser wäre dann wiederum für Verluste für die europäischen Verbündeten verbunden. Europa wäre dadurch auch verwundbar.
Dazu kommt, dass Europa von der Liquidität durch die Anleihen selbst abhängig ist. Mit der amerikanischen Notenbank Fed gipt es Swap-Agreements, die es europäischen Notenbanken erlauben, sich Liquidität über Dollar zu beschaffen. Wäre das zukünftig nicht mehr möglich, könnte das ein großes Problem darstellen – etwa wenn Banken in Schieflage geraten.
Wie heikel das Thema ist, bekam der Deutsche-Bank-Analyst George Saravelos zu spüren. In einer Analyse spielte er die Idee theoretisch durch -und wurde prompt von oberster Stelle zurückgerufen. So erzählte der amerikanische Finanzminister Bessent, Christian Sewing habe ihn extra angerufen und klargestellt, dass sich die Deutsche Bank der Analystenmeinung nicht anschließe. Ein Vorgang, der auch einmalig sein dürfte.
Wie viel Macht die Anleihemärkte aber haben können, konnte man gut am Beispiel der britischen Regierung unter Liz Truss sehen. Sie war nur wenige Tage im Amt, als sie eine Steuerreform vorstellte, die durch eine höhere Schuldenaufnahme finanziert werden soll. Die Steuersenkungen sollten in erster Linie Wohlhabenden und Unternehmen zugute kommen. Dadurch sollte Wirtschaftswachstum erzeugt werden. Doch Ökonomen zerrissen die Pläne. Der Pfund verlor an Wert und die Rendite britischer Anleihen stieg. Das führte sogar fast das Pensionsfondssystem des Landes zum Kollaps. Nach nur wenigen Wochen war Liz Truss nicht mehr im Amt. Das Schicksal droht Donald Trump zwar nicht, aber eine Reaktion der Märkte könnte dem amerikanischen Präsidenten vor den so genannten Midterm-Wahlen empfindlich schaden.
Source: faz.net