Bryon Noem, der oft bemitleidete, weil offensichtlich gehörnte Ehemann der gefeuerten ICE-Chefin Kristi Noem, soll privat einen pikanten Fetisch ausgelebt haben. Und Amerika weiß gerade nicht recht, ob es darüber lachen oder nur staunen soll.
In Castlewood im US-Bundesstaat South Dakota ist die sonst sehr heile und gemütliche Welt nicht mehr in Ordnung. „Das muss KI sein“, sagte etwa ein stämmiger Viehzüchter namens Kevin Ruesink der Reporterin der „New York Times“, als er die Fotos seines Nachbarn Bryon Noem sah, welche die britische „Daily Mail“, eine gefürchtete Instanz im weltweiten Klatschjournalismus, am Dienstagmorgen, den 31. März, veröffentlicht hatte. Der Viehzüchter kann einfach nicht glauben, was er da sieht. Wenn es einen Tag später veröffentlicht worden wäre, er hätte die Geschichte für einen Aprilscherz gehalten.
Die Fotos zeigen Mister Noem, den auch in Castlewood sehr geschätzten Versicherungsmakler mit Ladenlokal in der benachbarten Kleinstadt Watertown, mit dem Castlewood eine Gemeinde bildet (Schild am Laden: „Altmodischer Service, kinderleicht!“). Noem ist verheiratet, Vater dreier erwachsener Kinder und mehrfacher Großvater. Er trägt auf einem der Fotos etwa pinke Leggings und ein Spandex-artiges T-Shirt im Farbton „nude“. Das Irritierende an diesen Screenshots: Unter dem Shirt zeichnen sich riesige falsche Brüste ab. Es sollen sich dabei um Luftballons handeln, die so unter das Oberteil gestopft sind, dass die Knoten wie Brustwarzen hervorstechen.
Es handele sich um einen Fetisch, weiß die Zeitung aus dem bösen, alten Europa. Der Mann, den sie in Castlewood und Watertown alle seit Ewigkeiten kennen, weil er hier aufwuchs und immer noch lebt, habe privat offenbar eine Obsession, sich als „Crossdresser“ zu zeigen – wie die Screenshots aus einem Chat mit Pornodarstellerinnen zeigen. Nach Janet Jackson bei der Super-Bowl-Halbzeitshow von 2004, haben die USA damit ihr neues, gerade am 1. April natürlich viel belachtes „Nipplegate“.
Mister Noem sei von Frauen mit Brüsten von über 3000 Kubikzentimetern besessen, schreibt die „Daily Mail“. Und, um das anschaulicher zu machen, rechnet sie vor, dass diese Exponate 6,5 Mal größer seien als die Silikonimplantate von Kylie Jenner, die nur 445 cm³ umfassten. Bryon Noem soll dabei mehr als 25.000 Dollar über PayPal und Bezahl-Apps auf entsprechenden Seiten der sogenannten „Bimbofication“-Online-Fetisch-Szene (wir zitieren nur) ausgegeben haben. Darin geht es um Frauen, die ihre Brüste mit großen Mengen Kochsalzlösung vergrößern. So weit, so unappetitlich, so privat. Eigentlich.
Denn Bryon Noem, 56, ist kein normaler Versicherungsmakler aus einem Kaff in South Dakota. Er ist der Ehemann einer Frau, die, ohne zu übertreiben, jenseits der MAGA-Bewegung eine der bekanntesten und bei allen, die nicht glühende Fans des amtierenden Präsidenten sind, auch eine der meistgehassten Frauen der USA ist.
Verlobt hatten sich Bryon und Kristi Arnold am 4. Juli 1991, am Nationalfeiertag. Ein Jahr später heiratete er die Frau, die mit ihm auf die gleiche High School ging, die als Jugendliche Schönheitskönigin in Watertown war und im Café ihrer Mutter arbeitete. Kristi Noem, wie sie nach der Hochzeit hieß, machte Karriere, wurde Gouverneurin und schließlich mächtige Secretary of Homeland Security, Chefin der Einwanderungsbehörde ICE in der Administration von Donald Trump. Vor Kurzem wurde sie die erste enge Mitarbeiterin, die Trump während „Trump II“ feuerte. Nicht, weil sie ihre Truppen allzu rüde nach illegalen Einwanderern in bevorzugt demokratisch regierten Städten suchen ließ; nicht, weil sie allzu offensichtlich eine Affäre mit ihrem engsten Mitarbeiter Corey Lewandowski pflegte, einem ehemaligen Trump-Wahlkampfmanager. Auch nicht wegen der beiden US-Bürger, die von ICE-Agenten bei den Razzien in Minneapolis ohne wirkliche Notsituation erschossen wurden.
Nein, sie hatte vor dem Kongress gesagt, ihr oberster Chef habe von der mit 220 Millionen Dollar wirklich sehr teuren Werbekampagne gewusst und diese gebilligt, mit der sie für die freiwillige Rückkehr illegaler Migranten in ihre Heimat warb. Nebenproblem: Mit der Kampagne setzte sich vor allem Noem selbst als harte Kämpferin in Szene, etwa auf einem Pferd vor Mount Rushmore. Als Trump darauf angesprochen wurde, ob er das genehmigt habe, sagte er nur, er habe davon nichts gewusst – und entließ „ICE-Barbie“, wie Noem in US-Late-Night-Shows bevorzugt genannt wurde.
Die Bilder ihres Gatten sind besonders tragisch und verstörend, da er bisher als der bodenständige und biedere galt im Vergleich mit seiner Frau, die es nicht nur äußerlich dramatisch und voluminös liebt. Bei ihr glühte nicht nur der Lockenstab 24/7, sondern auch die Fotoapparate und Kameras. Stets gab sie sich knallhart, gern auch gnadenlos, ob gegenüber politischen Gegnern, Einwanderern (illegal oder legal) oder auch dem eigenen Hund („Cricket“). Ihn hatte sie einst, wie sie in ihrer Autobiografie schrieb, eigenhändig erschossen, weil er nicht spurte.
Der Gatte kam sogar brav mit zur Anhörung seiner Frau vor dem Kongress, in der sie gefragt wurde, ob sie das luxuriöse Doppelbett in der Boeing 737, welches Frau Noem habe einbauen lassen, für ihre außereheliche Affäre mit ihrem Mitarbeiter genutzt habe. Sie schimpfte zwar über die Frage als „Boulevardmüll“, dementierte aber nicht.
Direkt nach ihrer Entlassung als Heimatschutzministerin wurde Frau Noem zur „Sonderbeauftragten“ für „The Shield of the Americas“, einer Initiative zum „Schutz der westlichen Hemisphäre“, die dazu aber Anfang März erst noch gegründet werden musste. Mit der Entlassung als ICE-Oberkommandierende mehrten sich auch die Quellen „aus dem Umfeld der Familie“, die raunten, die Ehe mit Bryon, der stets tapfer zu ihr stand, könne nun endlich auch offiziell für gescheitert erklärt werden.
Auf Interviewanfragen antwortete Herr Noem am Dienstag per SMS: „Ich werde es irgendwann tun. Heute ist nicht der Tag. Ich danke Ihnen für Ihr Interesse.“
Donald Trump sagte zur „Daily Mail“: „Sie haben das bestätigt? Wow, nun, ich fühle mit der Familie, wenn das der Fall ist, das ist sehr schade. Ich weiß davon nichts.“
Und Kristi Noem ließ über eine Sprecherin verlautbaren: „Frau Noem ist am Boden zerstört. Die Familie wurde von dieser Nachricht völlig überrascht und bittet in dieser schweren Zeit um Privatsphäre und Gebete.“
Während sich etwa Desi Lydic in der „Daily Show“, um nur eine Late-Night-Show zu nennen, über die Noems lustig machte, findet der Mann in seinem Heimatdorf Gnade. Ein Mann, der am besagten Dienstagmorgen in einer Tankstelle den Bericht las, schüttelte traurig den Kopf, wie die Reporterin der „New York Times“ zu berichten weiß. Er wisse nicht mehr, was er von Bryon Noem halten solle. Er habe ihn immer gemocht. „So ein netter Mann“, sagte er. „Das zerreißt mir das Herz.“
Source: welt.de