Amerikanische Techbranche: KI-Präsident Trump

Lisa Su legte in ihre Eröffnungsrede zur Elektronikmesse CES in Las Vegas viel von dem Überschwang, der in diesen Tagen in der Technologiebranche typisch ist, wenn es um Künstliche Intelligenz geht. Die Vorstandschefin des Halbleiterkonzerns Advanced Micro Devices (AMD) ließ steile Wachstumskurven an die Wand projizieren. Sie sagte, die globale Zahl der Nutzer von KI-Angeboten werde innerhalb von fünf Jahren von einer auf fünf Milliarden Menschen steigen.

Eine neue Generation von KI-Chips, die AMD für 2027 plane, werde 1000 mal so leistungsstark sein wie die Modellreihe aus dem Jahr 2023. Das war soweit nicht ungewöhnlich, ähnlich euphorische Töne zum Potential von Künstlicher Intelligenz waren vielfach auf der Messe zu hören, zum Beispiel auch von Jensen Huang, dem Vorstandschef des AMD-Wettbewerbers Nvidia.

Auf „historischer“ KI-Mission

Die Rede von Su hatte aber auch eine bemerkenswerte politische Dimension. Die AMD-Chefin holte Michael Kratsios auf die Bühne, einen Berater von Donald Trump in Technologiefragen, und sprach mit ihm über die „Genesis Mission“. Das ist eine nationale KI-Initiative, die der US-Präsident kürzlich angekündigt hat, und sie zielt darauf ab, die „technologische Dominanz“ seines Landes zu festigen.

Kratsios nannte die Mission „historisch“. Er verglich sie mit den Apollo-Missionen zum Mond und dem Atomwaffenprogramm Manhattan Project. Er hob auch hervor, dass es sich um eine gemeinschaftliche Initiative mit der Privatindustrie handelt, mit einem illustren Kreis an Partnern wie AMD, Nvidia, Open AI, Google und Microsoft. Der Gastauftritt des Regierungsvertreters unterstrich: Die USA mobilisieren mit Blick auf KI alle Kräfte.

Mehr als heiße Luft

Seit Trump wieder im Weißen Haus ist, sucht er die Nähe zur Technologiebranche und lässt sich von ihr hofieren. In der Öffentlichkeit wird dabei besonders wahrgenommen, auf welch plumpe Weise sich Unternehmen bei ihm persönlich einzuschmeicheln versuchen, also zum Beispiel mit Spenden für seinen geplanten Ballsaal oder Geschenken aus Gold.

Aber die Genesis Mission legt die Vermutung nahe, dass die Verbindung zwischen Trump und Tech über Oberflächlichkeiten hinaus geht. Das Projekt scheint als eine ernsthafte und systematische Zusammenarbeit konzipiert, die den Technologievorsprung der USA im KI-Zeitalter absichern soll. Dass es sich um mehr als heiße Luft handelt, ist auch deshalb zu vermuten, weil Trump um sich herum einige Berater geschart hat, die aus dem Silicon Valley kommen.

Trump lässt der KI-Branche lange Leine

Trump hat KI zu einer Priorität in seiner zweiten Amtszeit gemacht. Bislang verfolgt er den Kurs, der Branche weitgehende Freiheit in der Entwicklung von KI-Technologien zu gewähren. Schon am Tag seiner Vereidigung hob er ein Dekret seines Vorgängers Joe Biden auf, das die Entwicklung von Sicherheitsstandards rund um KI vorschrieb. Vor wenigen Wochen gab Trump ein Dekret heraus, mit dem er KI-Regulierungen auf der Ebene einzelner Bundesstaaten zu unterbinden versucht.

Und das sind nur einige aus einer Serie von Erfolgen für die Branche im vergangenen Jahr unter Trump. Der Präsident hat auch Regulierungen für die Kryptoindustrie gelockert, in der er selbst mitmischt, und er hat Nvidia den Verkauf von KI-Chips in China erlaubt.

So sehr Trump mit alledem Applaus im Silicon Valley bekommen mag: Er geht auch ein politisches Risiko ein. Inmitten der Goldgräberstimmung in der Branche macht sich in den USA auch Unbehagen über etwaige Schattenseiten von KI breit. Viele Amerikaner fragen sich, inwiefern diese Technologien Arbeitsplätze bedrohen und ob ihre Stromrechnungen steigen werden, weil all die neuen Rechenzentren so viel Energie verbrauchen.

KI könnte Thema in den Kongresswahlen werden

In einer Studie des Pew Research Center bewerteten 57 Prozent der Befragten die gesellschaftlichen Risiken von KI als hoch, aber nur 25 Prozent den Nutzen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass KI ein größeres Thema bei den Kongresswahlen im November werden könnte. Einige von Trumps Verbündeten in der Branche finanzieren Kampagnen gegen KI-skeptische Kandidaten.

In Las Vegas wurde jetzt vielfach eine „KI-Revolution“ beschworen. Das scheint auch nicht zu hoch gegriffen. Viele Unternehmen haben überzeugend demonstriert, wie sich mit diesen Technologien ganze Industrien transformieren lassen könnten. Dabei entstand aber auch ein etwas einseitiges Bild. Unangenehme Fragen rund um KI wurden weitgehend ausgeklammert. Sie werden aber nicht aus der öffentlichen Debatte verschwinden. Und auch der KI-freundliche Präsident im Weißen Haus wird sich nicht völlig von ihnen isolieren können.

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