Allgemeiner Deutscher Automobil Club plant größte Beitragserhöhung seiner Geschichte

Für Millionen Autofahrer könnte es bald teurer werden: Der ADAC will seine Mitgliedsbeiträge kräftig anheben, wie WELT erfuhr. Intern ist der Schritt nicht unumstritten.

Fast jeder kennt die „Gelben Engel“: Mit mehr als 22 Millionen Mitgliedern ist der ADAC heute der größte Automobilclub Europas. Jeder vierte Deutsche vertraut auf die Hilfe der rund 1700 Pannenhelfer sowie 750 Vertragspartner mit ihren etwa 5000 Fahrzeugen, die bundesweit im Einsatz sind. Dazu bietet der ADAC auch eine Vielzahl von Leistungen im Ausland an, etwa Rücktransport im Fall von Krankheit oder Unfällen.

Doch die Hilfe der „Gelben Engel“ soll künftig spürbar teurer werden. Denn laut internen Dokumenten, die WELT einsehen konnte, will der ADAC die Preise für seine Mitglieder im Schnitt um rund 20 Prozent erhöhen. Das wäre die größte Beitragserhöhung in der Geschichte des 1903 gegründeten Vereins.

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Besonders teuer soll es für die Premium-Mitglieder werden. Hier plant der ADAC für eine Einzelmitgliedschaft eine Erhöhung von derzeit 139 Euro auf 174 Euro pro Jahr – ein Anstieg von mehr als 25 Prozent. Basis-Mitglieder sollen künftig 64 Euro statt 54 Euro zahlen, also rund 18 Prozent mehr. Für Plus-Mitgliedschaften steigen die Preise um mehr als 21 Prozent von 94 Euro auf 114 Euro.

Beschlossen werden soll die Preiserhöhung nach Informationen von WELT auf der ADAC-Hauptversammlung am 23. Mai. Gelten sollen die neuen Preise aber erst ab 2027. Es wäre der erste Anstieg der Mitgliedsbeiträge seit sechs Jahren.

ADAC: Sechs Jahre lang keine Erhöhung

Der ADAC will konkrete Zahlen nicht bestätigen. Eine Sprecherin erklärt aber: „Nach sechs Jahren mit stetig steigenden Kosten, muss auch der ADAC über eine Beitragsanpassung nachdenken, um Leistungen für Mitglieder in dieser hohen Zahl und mit der gewohnten hohen Qualität zu erbringen.“ Vor allem hohe Energiekosten sowie für die Aufwände für Personal, Ersatzteile, Abschlepp- und Werkstattleistungen würden dem ADAC zu schaffen machen.

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Weiter heißt es: „Der ADAC hat dennoch seine Beiträge – anders als andere Dienstleistungsunternehmen – in insgesamt sechs Jahren nicht erhöht. Dabei wurden keinerlei Leistungen eingeschränkt oder Qualitätsansprüche verringert. Im Gegenteil: Um etwa die Pannenhilfe für immer mehr Menschen in der gewohnten Zuverlässigkeit zu leisten, wurden allein bei der Pannenhilfe in 2025 rund 180 neue Straßenwachtfahrer eingestellt, zusätzlich steigen die Anforderungen an Technik und Qualifikation.“

Nach Informationen von WELT wird innerhalb des ADAC diskutiert, ob aufgrund des Kostendrucks bestehende Leistungen wie bisher weiter angeboten werden. Höhere Beiträge, aber geringere Leistungen also? Auf die Frage sagt die Sprecherin: „Der ADAC sieht sich die Kostenentwicklung genau an und passt Leistungsgrenzen vor diesem Hintergrund voraussichtlich in erster Linie nach oben an. Das gilt etwa, wenn die aktuellen Leistungsgrenzen beispielsweise für Mietwagen oder Übernachtungen nicht mehr die realen Kosten abdecken. Gleichzeitig gilt es, vermeidbare Kosten zu senken – und etwa einer möglichst schnellen Reparatur vor Ort den Vorzug zu geben. Über die Details entscheidet die ADAC-Hauptversammlung.“

Trotzdem dürfte die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge bei vielen ADAC-Mitgliedern für Unmut sorgen. Nach Informationen von WELT rechnet der Automobilclub mit einer erhöhten Kündigungsquote. Angesichts der hohen Gesamtzahl der Mitglieder dürfte da schnell eine höhere fünfstellige Zahl von Kündigungen zusammenkommen. Trotzdem rechnet der ADAC auch 2027 mit einer steigenden Mitgliederzahl.

Die letzte ADAC-Beitragserhöhung betrug 2020 knapp 10 Prozent

Der ADAC übertrifft als größter Automobilclub Deutschlands viele andere Organisation wie zum Beispiel Kirchen, Parteien, Gewerkschaften oder Sportverbände. Seit Jahren steigt die Zahl der ADAC-Mitglieder, allein im vergangenen Jahr um netto 490.000 auf 22,7 Millionen. Auch im laufenden Jahr wird netto mit einem Zuwachs gerechnet, obwohl es im Januar zu 60.000 Kündigungen kam, nachdem sich Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand für höhere Kraftstoffpreise für Verbrenner ausgesprochen hatte.

Dies wurde von vielen ADAC-Mitgliedern als Verrat an den Interessen der Autofahrer gewertet. Um die Diskussion zu beruhigen, trat Hillebrand vom Amt des Verkehrspräsidenten zurück. Dennoch rumort es in der Frage der Förderung der E-Mobilität durch den ADAC weiter in dem Verein, dessen Mitglieder überwiegend noch Verbrenner fahren. Soeben kritisierte beim Regionalverein ADAC Südbayern ein Ortsclub eine angeblich zu einseitige Festlegung auf die Elektromobilität und forderte, alle Antriebsraten „wertfrei zu betrachten“. Der Vorstand widersprach der Einschätzung des Ortsclubs und betonte seine Neutralität. Der Antrag fand keine Mehrheit.

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Hauptgrund für die Mitgliedschaft beim ADAC ist vielfach die Auto-Pannenhilfe durch die „Gelben Engel“ sowie der Reise- und Auslandsschutz. Wenig bekannt in der Öffentlichkeit ist die drei Säulen-Struktur des ADAC. Im Mittelpunkt steht der Verein mit seinen 18 Regionalclubs. Daneben gibt es noch den kommerziellen ADAC SE, in der die wirtschaftlichen Aktivitäten gebündelt sind, wie das Versicherungsangebot. Der Verein hat die Mehrheit an dem „Wirtschafts-ADAC“ mit rund 1,4 Milliarden Euro Umsatz 2024. Daneben gibt es noch die gemeinnützige ADAC-Stiftung.

In den vergangenen Jahren hat sich der ADAC vom Automobilclub zum Multimobilitätsdienstleister und Helfer in verschiedenen Lebenslagen entwickelt. So wird jetzt auch eine Fahrradpannenhilfe, ein Schlüsselnotdienst oder Hausratversicherungen angeboten.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ geschrieben.

Max Skowronek ist Investigativ-Reporter und berichtet für WELT und Business Insider über Wirtschaftsthemen. Bei Hinweisen erreichen Sie ihn vertraulich per Mail oder auch über die Messengerdienste Threema (A4RHN528) und Signal (mskowronek.26).

Gerhard Hegmann ist freier Wirtschaftsredakteur und berichtet seit Jahrzehnten insbesondere über die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie.

Source: welt.de

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