Alle Alternativen undenkbar?Bei der Straße von Hormus hilft nur noch Galgenhumor
13.03.2026, 14:43 Uhr
Rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels laufen durch die Straße von Hormus. Durch den Beschuss des Iran ist der Transportweg nahezu lahmgelegt. Die Alternativen sind rar gesät.
Für die Ölverbraucher steht beim Iran-Krieg derzeit vor allem die Straße von Hormus im Fokus. Der Schiffsverkehr in der Meerenge ist nach Angriffen auf Schiffe durch den Iran praktisch zum Erliegen gekommen. Mit einem Blick auf die Alternativen bleibt eigentlich nur noch Galgenhumor.
Weil 20 Prozent des weltweiten Ölhandels durch die Straße von Hormus laufen, macht sich jede Krisensituation in der Region auch beim Verbraucher in Form von steigenden Benzinpreisen bemerkbar. In den sozialen Medien entstehen mittlerweile humorvolle Alternativen, um das Öl an der Meerenge vorbei zu bekommen. Die Vereinigten Arabischen Emirate könnten ein gigantisches Katapult bauen, um die Ladung der Schiffe von A nach B zu schleudern, mutmaßt ein User auf Bluesky. Ein anderer sieht die Riesenadler aus „Der Herr der Ringe“ zu Hilfe eilen und darin einen neuen Transportweg.
Die humoristischen Lösungsvorschläge zur prekären Lage an der Straße von Hormus sind aber kaum weniger abwegig als realistisch anmutende Szenarien. Ein Umladen auf den Landweg scheitert an logistischen Hürden. Durch die Meerenge gehen täglich etwa 17 bis 20 Millionen Barrel Öl, ein Lkw transportiert rund 200 bis 250 Barrel. Man bräuchte also täglich mehrere Tausende Transporter, die rund um die Uhr im Einsatz sind, die infrastrukturschwachen Wüstenregionen durchfahren und mehrere Grenzen zwischen Ländern mit teils politischen Spannungen überwinden müssten. Dazu würden auch hier Kosten entstehen und die neu geschaffene Transportroute wäre anfällig für Angriffe des Iran.
Ein Transport über Pipelines ist etwas realistischer. Aber alle bestehenden Pipelines in der Region könnten nur ein Drittel bis die Hälfte der Hormus-Mengen befördern. Dazu hängen einige der größten Produzenten im Golf komplett am Seeweg. Es müsste erst eine neue Infrastruktur errichtet oder eine neue Pipeline gebaut werden, was Jahre dauern und Hunderte Milliarden kosten würde.
Die einzige echte zeitnahe Option ist, Sicherheit in der Meerenge zu schaffen. Das ist aber ein heikles Problem. Der Iran verfügt über mehrere Möglichkeiten, Öltanker im Persischen Golf anzugreifen. In der Vergangenheit hatte die Islamische Republik Schnellboote, Raketen, Drohnen und U-Boote eingesetzt, um Tanker anzugreifen. Dem US-Militär ist es mittlerweile gelungen, einige dieser Bedrohungen zu minimieren, Schnellboote und U-Boote können schnell außer Gefecht gesetzt werden. Drohnen bleiben aber eine mächtige Waffe des Iran.
Zudem berichtete CNN, der Iran habe in den vergangenen Tagen rund ein Dutzend Minen in der für die Schifffahrt wichtigen Meeresenge platziert. Der Sender stützt sich dabei auf Aussagen von ungenannten Quellen. US-Präsident Donald Trump hatte daraufhin gesagt, ihm liegen keine entsprechenden Informationen vor. Wenig später verkündete er, die US-Streitkräfte hätten mehrere sogenannte Minenleger versenkt.
Eskorte aus Kriegsschiffen?
Trump hatte auch die Idee ins Spiel, dass amerikanische Kriegsschiffe Öltanker durch die Meerenge eskortieren sollten, was das US-Militär bereits bei früheren Einsätzen getan hat. Die Herausforderung besteht darin, dass ein Sperrfeuer aus Raketen oder Drohnen die US-Verteidigung überwältigen könnte. Selbst wenn nur wenige durchkommen, könnten sie einen teuren Tanker zerstören.
US-Energieminister Chris Wright erklärte gegenüber CNBC, dass die US-Marine noch nicht bereit sei, mit der Begleitung von Schiffen zu beginnen, da „alle unsere militärischen Ressourcen derzeit darauf ausgerichtet sind, die Offensivkapazitäten des Iran zu zerstören“. Wright sagte, dass die Begleitung durch die Marine in der Meerenge „sehr wahrscheinlich“ Ende des Monats beginnen werde.
Auch dieses Unterfangen ist logistisch mit enormer Aufwand, wie Militärexperte Bryan Clark vom Hudson Institute gegenüber dem „Wall Street Journal“ betonte. Jeder Tanker müsse möglicherweise von zwei Kriegsschiffen eskortiert werden, um das Risiko von Bedrohungen von der iranischen Küste und den nahegelegenen kleinen Inseln abzusichern, sagte Clark. „Man hat nur Sekunden Zeit, bevor diese Drohnen direkt über einem sind, weil man so nah an der Küste ist. Das erhöht die Anzahl der benötigten Schiffe.“
Die entscheidende Frage ist, wie lange der Krieg mit dem Iran noch andauert. Je länger die Verzögerung dauert, desto stärker könnten die Ölpreise kurzfristig steigen. Militärexperten gehen davon aus, dass vieles von den Schritten des Iran abhängt. Teheran könnte sich damit begnügen, den Großteil des Schiffsverkehrs passieren zu lassen und nur ausgewählte Tanker anzugreifen, sagte Clark. Das Risiko für die Schifffahrt würde damit stetig enorm hoch bleiben. Oder dem Iran gehen irgendwann die Abschussrampen aus, da die US-Streitkräfte diese, sobald sie aufgedeckt sind, ausschalten, so der Militärexperte des Hudson-Instituts.
Source: n-tv.de