Ali Laridschani – dies neue Gesicht des iranischen Regimes?


Porträt

Stand: 03.03.2026 • 20:17 Uhr

Irans religiöser und politischer Führer Chamenei ist tot, der Präsident des Landes wenig präsent. Dafür steht nach den Angriffen der USA und Israels Ali Laridschani im Blickpunkt. Was ist über den Mann bekannt?

Es gab Zeiten, da schien Ali Laridschanis Aufstieg innerhalb des iranischen Regimes beendet zu sein. 2021 wollte er Nachfolger von Präsident Hassan Rouhani werden, 2024 von Präsident Ebrahim Raisi. Beide Male scheiterte er am Widerspruch des damaligen Obersten Führers des Iran, an Ajatollah Ali Chamenei.

Jetzt, nach dem Tod Chameneis, ist Laridschani so etwas wie der starke Mann des Landes, und dafür hat Chamenei selbst noch zu Lebzeiten gesorgt.

Profiteur des Zwölf-Tage-Krieges

Im vergangenen Jahr machte Chamenei Laridschani zum Sekretär des mächtigen Nationalen Sicherheitsrates, der für die Sicherheits- und Verteidigungspolitik des Landes zuständig ist, zum zweiten Mal nach 2005. Es waren die Wochen nach dem sogenannten Zwölf-Tage-Krieg mit Israel, der das Regime schwer erschüttert hatte.

Chamenei, der damals ahnte, dass er bei einem erneuten Angriff selbst ein Ziel sein könnte, traf im Sommer 2025 Vorkehrungen für den Fall seines Todes und versuchte, das Land gegen einen erneuten Angriff zu wappnen – auch mit der Beförderung Laridschanis.

Fortan nahm Laridschani sichtbar eine immer wichtigere Rolle ein, führte Gespräche in der Region, aber auch in Russland, zuletzt im Zusammenhang mit neuen Bemühungen um ein Abkommen zum iranischen Atomprogramm.

Chameneis „graue Eminenz“ nannte ihn erst im Februar die britische Iran-Expertin Lynette Nusbacher gegenüber dem Magazin Economist. Vielen galt er in diesen Wochen als eigentlicher Regierungschef, der den blassen Präsidenten Massud Peseschkian an den Rand gedrängt hatte.

Konservativ und wendig

Seine Fähigkeit, sich im Regime in der Führungsspitze zu halten, hat Laridschani über Jahrzehnte immer wieder bewiesen, ebenso wie sein Talent als Verhandler. Der 67-Jährige stammt aus einer der einflussreichsten Familien Irans unter den Mullahs. Sein jüngerer Bruder Sadegh war zehn Jahre Chef der iranischen Justiz, drei weitere Brüder haben ebenfalls wichtige Posten im Staat.

Ali Laridschani selbst war in der Vergangenheit Kulturminister, leitete den staatlichen Rundfunk, war von 2005 bis 2007 Chefunterhändler bei den Atomverhandlungen mit dem Westen und stand ab 2008 zwölf Jahre an der Spitze des iranischen Parlaments.

Auch eine militärische Laufbahn kann Laridschani als ehemaliger Brigadegeneral der Revolutionswächter vorweisen. Über die Jahre erwarb er sich den Ruf eines harten Konservativen, der dennoch auch zu pragmatischen Entscheidungen in der Lage ist. Als Fernsehchef sorgte er für ein durch und durch konservatives Programm, wie Kritiker ihm vorhielten, überwarf sich dann mit dem früheren erzkonservativen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, kritisierte Wahlbetrug und bemühte sich um einen Atomkrompromiss.

Prinzip Machterhalt

So bleibt der Eindruck, dass es Laridschani am Ende vor allem um den Machterhalt geht, um das Überleben des Regimes, weniger als um Ideologie. Zu diesem Zweck ist er zu brutalen Maßnahmen bereit. Die blutige Niederschlagung der jüngsten Proteste zu Jahresbeginn mit vielen tausend Toten wird nicht zuletzt ihm zugeschrieben. Die USA verhängten deshalb im Januar Sanktionen gegen ihn.

Nach dem Tod Chameneis war es Laridschani, der der iranischen Öffentlichkeit erklärte, wer dem Gremium angehört, das den Nachfolger bestimmen soll. Er selbst kommt dafür nicht in Frage, da ihm dafür eine religiöse Ausbildung fehlt. Aber ob der noch zu bestimmende Nachfolger Chameneis jemals dessen Macht erreichen wird oder ob sich die Machtstruktur Irans in den kommenden Monaten hin zu einem womöglich etwas weniger streng islamistischen, dafür aber unverändert autoritären Regime ändern wird, kann niemand voraussagen.

Einstweilen prägt Laridschani die Phase des Übergangs wie kein anderer im Regime. Verhandlungen mit dem Westen lehnt er vorerst öffentlich ab. Und doch trauen gerade ihm Beobachter zu, eine Kompromissformel mit den USA zu finden. Dazu muss er aber die derzeitigen Bombardements unbeschadet überstehen. Am Morgen meldete die israelische Armee, sie habe weitere Regierungsgebäude in Teheran angegriffen – darunter auch solche, in denen der Nationale Sicherheitsrat tagt.

Source: tagesschau.de