Alan Rickman wäre 80 geworden: Gefürchtet in Sherwood, geliebt in Hollywood


Zur Merkliste hinzufügen

Am 21. Februar hätte Alan Rickman seinen 80. Geburtstag gefeiert. Was war Geheimnis seines unvergesslichen Schauspiels?

Er machte mit einem Löffel Jagd auf den König der Diebe, war Bruce Willis‘ (70) liebste Schweinebacke, verlieh Gott eine Stimme, schwor bei Grabthars Hammer Rache – und wandelte sich als Severus Snape in der „Harry Potter“-Reihe mit dem einzigen Wort „Immer“ vom verhassten Antagonisten zum tragischen Helden. Alan Rickman (1946-2016) spielte zwar oft und mit großer Inbrunst den Leinwand-Schurken, eindimensional tat er es jedoch nie. Am 21. Februar wäre der britische Charaktermime, der kurz vor seinem 70. Geburtstag an Bauchspeicheldrüsenkrebs verstarb, 80 Jahre alt geworden.

Durchbruch mit Ü40

Wie bei vielen anderen berühmten Beispielen dauerte es auch bei Alan Rickman einige Zeit, ehe er seine Bestimmung im Schauspielfach fand. Harrison Ford (83) war vor seiner Weltkarriere bekanntlich Schreiner und in den 40er Jahren konnte einem in Schottland der Milchmann Sean Connery (1930-2020) begegnen. Rickman hingegen konnte durch sein Talent als Maler ein Stipendium an einer Privatschule ergattern, arbeitete zunächst lange Jahre als erfolgreicher Grafikdesigner und gründete gar seine eigene Firma.

Ab 1972 besuchte er die Royal Academy of Dramatic Art, befasste sich zunehmend mit den Werken von Shakespeare und machte sich als Theaterschauspieler einen Namen. Er wechselte für einzelne Serien-Episoden und TV-Filme zwar immer wieder zum Fernsehen, bis zu seiner ersten Kinorolle sollte es aber bis 1988 dauern – die hatte es aber in sich.

Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke

Den Helden kannte man bis dahin nur aus Komödien und Romanzen, seinen Widersacher noch gar nicht – doch gemeinsam schrieben Rickman als Schurken-Genie Hans Gruber und Bruce Willis als Ein-Mann-Armee John McClain Kinogeschichte. Der Action-Kracher „Stirb Langsam“ eroberte über Nacht die Herzen von Adrenalin-Junkies und machte Rickman nicht minder schnell berühmt.

Drei Jahre später, 1991, mimte er den nächsten ikonischen Super-Bösewicht – den Sheriff von Nottingham in „Robin Hood – König der Diebe“. Unvergessen der Moment, als ihm im Film Erzfeind Robin Hood (Kevin Costner, 71) eine Wunde im Gesicht zufügt und er ihm daraufhin blutige Rache schwört: „Ich schneide euch euer verdammtes Herz mit einem Löffel heraus!“ Und wer sich nun wundert, warum ausgerechnet mit einem Löffel: „Weil es stumpf ist, Trottel, es tut mehr weh!“

Gottes Stimme und Weltraumbummler

1999 bewies Rickman doppelt, dass er zu mehr als nur dem ewigen Bösewicht taugt. Im theologischen Klamaukstreifen „Dogma“ mimte er den Metatron, die Stimme Gottes – übrigens gespielt von Sängerin Alanis Morissette (51). Im selben Jahr ging er mit Kult-Heimwerker Tim Allen (72) auf große Weltraumreise. Sein Part als griesgrämiger Alexander Dane/Dr. Lazarus in „Galaxy Quest“, der letztendlich doch sein Herz aus Gold offenbart, war ihm regelrecht auf den Leib geschrieben – „Bei Grabthars Hammer, dein Tod wird gerächt werden!“

Dies merkte man in seiner Reinform schließlich in der „Harry Potter“-Reihe. Beinahe zehn Jahre lang piesackte er den armen Waisenjungen und Zauberlehrling, ehe am Ende für alle überraschend enthüllt wurde, dass er Harry stets beschützt hatte und der heimliche Held der Geschichte war.

Das Geheimnis seines Schauspiels fasste Rickman einst mit den Worten zusammen: „Ich nehme meine Arbeit ernst – und das tut man am besten, indem man sich selbst nicht zu ernst nimmt.“ Den Frevel der Oscar-Academy, Rickman zeit seines Lebens noch nicht einmal für einen Goldjungen nominiert zu haben, dürfte der Schauspieler also hoffentlich gelassen gesehen haben.

Was bleibt?

Es fällt schwer zu glauben, dass Alan Rickman tatsächlich schon seit einem Jahrzehnt nicht mehr unter uns weilt. Manch einer, der nicht so vertraut mit dem Schaffen des Schauspielers ist, könnte nun fragen: „Ihr schwärmt noch immer von Alan Rickman, nach all den Jahren?“ – und die Filmfans werden ein „Immer“ entgegenschmettern.

SpotOnNews

Source: stern.de