Im S-Bahnhof Reeperbahn geraten in der Nacht zwei Männer aneinander. Während der Auseinandersetzung stürzen beide Männer ins Gleis. Nur durch glückliche Umstände wird niemand von einer einfahrenden S-Bahn erfasst.
Eine gewalttätige Auseinandersetzung auf dem Bahnsteig des S-Bahnhofs Reeperbahn ist in der Nacht zu Freitag in einer hochgefährlichen Situation geendet. Nach Angaben der Bundespolizei gerieten dort gegen 2 Uhr morgens zwei Männer im Alter von 41 und 57 Jahren in einen Streit, der in wechselseitige Körperverletzungen mündete. Beide sollen sich nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen mit Faustschlägen gegen Kopf und Oberkörper attackiert haben. Im Verlauf der Schlägerei stürzten die beiden Deutschen gemeinsam in den Gleisbereich von Gleis 1.
Besonders brisant: Zum Zeitpunkt des Vorfalls herrschte im Bahnhof regulärer S-Bahn-Betrieb. Damit hätte nach Angaben der Bundespolizei jederzeit ein Zug in das betroffene Gleis einfahren können. Die Männer befanden sich damit in akuter Lebensgefahr. Wäre in diesem Moment eine Bahn eingefahren, hätte die Situation binnen Sekunden tödlich enden können. Nach dem Sturz sollen beide Beteiligten ihre Angriffe eingestellt und selbstständig wieder auf den Bahnsteig geklettert sein.
Aufgedeckt wurde der Vorfall durch Beamte der Bundespolizei, die sich im Bundespolizeirevier Altona befanden und die Videoüberwachungsanlage des S-Bahnhofs Reeperbahn sichteten. Sie bemerkten den Geschehensablauf und alarmierten umgehend Einsatzkräfte. Diese erreichten kurze Zeit später den Bahnsteig und trafen dort nicht nur auf die beiden mutmaßlich Beteiligten, sondern auch auf zwei Zeugen im Alter von 50 und 31 Jahren. Beide bestätigten nach Angaben der Bundespolizei den geschilderten Ablauf der Auseinandersetzung.
Die Einsatzkräfte nahmen die beiden Männer noch vor Ort fest. Gegenüber den Beamten räumten die Beschuldigten demnach ein, sich gegenseitig mit Faustschlägen attackiert zu haben. Weitergehende Angaben machten sie den Ermittlern allerdings nicht. Warum es überhaupt zu dem Streit kam, ist bislang unklar und Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Auch zum Grad einer möglichen Alkoholisierung wollte oder konnte die Bundespolizei zunächst keine konkreten Angaben machen.
Strafverfahren wegen Körperverletzung
Der 41-Jährige erlitt bei der Auseinandersetzung sichtbare Verletzungen. Laut Bundespolizei hatte er ein Hämatom im Gesicht und klagte zudem über Schmerzen an der Schulter sowie im Hüftbereich. Er wurde mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht und dort medizinisch versorgt. Der 57 Jahre alte Mann wies nach derzeitigem Stand keine äußerlich erkennbaren Verletzungen auf. Eine Behandlung durch den Rettungsdienst lehnte er ab. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wurde er wieder entlassen.
Gegen beide Männer leitete die Bundespolizei jeweils ein Strafverfahren wegen Körperverletzung ein. Die weiteren Ermittlungen führt nun der Ermittlungsdienst der Bundespolizeiinspektion Hamburg.
Die Behörde nahm den Vorfall erneut zum Anlass, vor den massiven Gefahren im Bereich von Bahnanlagen zu warnen. Der Aufenthalt im Gleis sei lebensgefährlich und verboten, betonte die Bundespolizei. Lokführer könnten nicht ausweichen, zudem seien die Bremswege von Zügen häufig zu lang, um Menschen im Gleisbereich noch rechtzeitig zu schützen. Im Fall vom S-Bahnhof Reeperbahn kam ein weiterer Risikofaktor hinzu: die Stromschiene. Diese führt nach Angaben der Bundespolizei 1200 Volt Gleichstrom. Bereits eine Berührung kann tödlich sein.
dfe
Source: welt.de