Der Anteil der Beschäftigten hierzulande, die KI täglich in ihren Arbeitsalltag einbinden, stieg innerhalb eines Jahres von 7 auf 16%.
China top, USA flop: Während KI in Deutschland Fahrt aufnimmt, sinkt in den USA die Nutzung. Was steckt hinter der neuen Skepsis und wo lauern die größten Risiken?
Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) am Arbeitsplatz entwickelt sich weltweit sehr unterschiedlich. Während die Akzeptanz generativer KI-Anwendungen in Deutschland deutlich ansteigt, erlebt der einstige Vorreiter USA eine unerwartete KI-Flaute. Das sind die zentralen Ergebnisse des aktuellen HR-Monitors 2026 der Unternehmensberatung McKinsey.
KI-Nutzung in Deutschland verdoppelt
In Deutschland hat sich nach den Zahlen von McKinsey die regelmäßige Nutzung von KI-Tools wie ChatGPT, Gemini oder Copilot im Untersuchungszeitraum von 19 auf 38% verdoppelt. Der Anteil der Beschäftigten, die KI täglich in ihren Arbeitsalltag einbinden, stieg innerhalb eines Jahres von 7 auf 16%. Dennoch ist der Weg zu einer flächendeckenden und selbstverständlichen Nutzung noch weit, was sich auch an strikten internen Vorgaben zeigt: Bemerkenswerte 14% der deutschen Unternehmen verbieten ihren Mitarbeitenden den Einsatz von KI am Arbeitsplatz derzeit noch komplett.
Künstliche Intelligenz
AI Act: Deutschland bringt Umsetzung der europäischen KI-Verordnung auf den Weg
Der EU AI Act ist in Deutschland angekommen. Zentrale Aufsichtsbehörde für KI wird damit die Bundesnetzagentur. Was das für Unternehmen bedeutet.
Als zentraler Hebel und gleichzeitiger struktureller Engpass für eine nachhaltige KI-Nutzung erweist sich nach Einschätzung der McKinsey-Experten die Weiterbildung. Nur rund 28% der Unternehmen in Deutschland bieten formale KI-Trainings für ihre Beschäftigten an. Damit hinkt die Bundesrepublik insgesamt deutlich hinter China her, wo fast die Hälfte der Unternehmen (49%) entsprechende Schulungen offeriert und dementsprechend bereits 28% der Beschäftigten KI täglich nutzen. Dazu kommen weitere 49%, die zumindest mehrfach in der Woche auf KI-Tools zurückgreifen.
TW-Analyse
So beschleunigt Künstliche Intelligenz die Lieferlogistik in der Mode
Die TextilWirtschaft beleuchtet in ihrem aktuellen Logistik-Special den Teil der Supply Chain, in dem KI-Tools nach Expertenmeinung eine besonders große Hebelwirkung haben. Dabei handelt es sich um alle Prozesse, die stattfinden, nachdem die Ware die Logistikzentren verlassen hat. Vom Transport der Ware in die Verteilzentren über die Lieferung in die Stores und an die Endkunden bis hin zur Bearbeitung von Retouren.
Wachsende Skepsis vor falschen Ergebnissen
Die Erwartungen an KI sind international hoch: 51% der Beschäftigten erwarten Produktivitätsgewinne, jeweils 47% sehen Chancen in besserer Datenanalyse und Problemlösung. In Deutschland ist die Erwartung an verbesserte Datenanalyse mit 54% am höchsten, 50% erwarten mehr Produktivität und 41% rechnen mit besserer Problemlösungsfähigkeit.
Online-Handel
So setzt Bonprix KI bei der Größenberatung im Online-Shop ein
Bonprix setzt auf einen neuen Standard in der digitalen Größenberatung bei Damenoberbekleidung. Das KI-basierte Feature Size Advice empfiehlt Bestandskundinnen im deutschen Webshop und in der App automatisch eine passende Größe. So hat sich das Tool bislang auf die Retourenquote ausgewirkt.
Die Beschäftigten sind sich aber auch den Risiken bewusst, die der Einsatz der KI mit sich bringt: 48% der Befragten nennen fehlerhafte oder „halluzinierte“ Ergebnisse als größtes Risiko – ein Aspekt, der international an Bedeutung gewonnen hat. Datenschutzbedenken (41%) und der Verlust menschlicher Interaktion (36%) folgen auf den weiteren Plätzen.