Vor einer Reihe wichtiger Termine im weiteren Wochenverlauf haben sich die Dax-Anleger zu Wochenbeginn kaum aus der Deckung gewagt. Der deutsche Leitindex lag zum Start am Montag zeitweise knapp im Minus auf 24.890 Punkten. Im Mittelpunkt der neuen Woche stehen der Zinsentscheid der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am Mittwoch und die Zahlen erster wichtiger amerikanischer Technologiekonzerne. Zudem nimmt die deutsche Bilanzsaison Fahrt auf: Geplant zur Veröffentlichung am Donnerstag und Freitag sind die Quartalsergebnisse der ersten beiden Dax-Konzerne – SAP und der Deutschen Bank.
„Damit wird sich der Fokus der Börsen wieder ein Stück von der Politik wegverlagern“, sagt Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners: „Stattdessen treten klassische Börsenthemen wieder in den Vordergrund.“
Gewinner und Verlierer an der Börse
Gefragt bei den Einzelwerten waren unter anderem die Aktien des S-Dax-Unternehmens Friedrich Vorwerk. Der Pipeline- und Anlagenbauer legte zwischenzeitlich über fünf Prozent zu und notierte damit so hoch wie seit Ende Oktober nicht mehr. Grund dafür ist, dass das Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 1,78 Milliarden Euro seinen Umsatz und Gewinn 2025 deutlich stärker gesteigert hat als erwartet. Die Erlöse verbesserten sich um mehr als 200 Millionen Euro auf 704,3 Millionen Euro, wie das Unternehme mitteilte. Vor allem das vierte Quartal sei besser gelaufen, hieß es zur Begründung. Allein 2025 hat sich der Wert der Papiere etwa verdreifacht.
Unter Druck gerieten hingegen die Titel des Gabelstapler-Herstellers Kion, die rund vier Prozent einbüßten. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt bei 8,25 Milliarden Euro. Die Experten der US-Investmentbank Jefferies hatten sie auf „Underperform“ nach zuvor „Hold“ herabgestuft. Hoffnung werde nun von der Realität abgelöst, schrieb Analyst Lucas Ferhani. Mit dem starken Lauf der Aktien des Spezialisten für Warenlagerlogistik sei eine Geschäftserholung in Deutschland und Europa vorweggenommen worden, die sich in schwachen Daten bisher nicht zeige. Seit Jahresbeginn liegt das Papier rund sechs Prozent im Minus, nachdem es im Vorjahr 80 Prozent zugelegt hatte.
Zinsentscheidung der Fed am Mittwoch
Währenddessen gab der Dollar zum Wochenstart gegenüber den meisten wichtigen Währungen nach, während der Yen zulegte und Gold ein Rekordhoch erreichte. Anleger diskutierten, wie sich eine gemeinsame Intervention zur Unterstützung Japans auf die Stimmung gegenüber dem Greenback auswirken könnte, hieß es. Die US-Währung hat gerade ihre schlechteste Woche seit Mai verzeichnet, nachdem unberechenbare politische Entscheidungen in Washington für Verunsicherung an den Märkten gesorgt hatten.
Stärker als der Zinsentscheid der Fed, bei dem wohl alles beim Alten belassen werden dürfte, steht derzeit die Spitzenpersonalie der Zentralbank im Fokus. US-Präsident Donald Trump könnte zeitnah zur Sitzung das gut gehütete Geheimnis lüften, wer dem noch bis Mai amtierenden Fed-Chef Jerome Powell nachfolgen soll. Trump liefert sich eine Art Privatfehde mit ihm. Powell ist inzwischen sogar ins Visier der US-Justiz geraten und sieht darin einen Vorwand, ihn zinspolitisch unter Druck zu setzen.
Wie verändert sich die Fed unter neuer Führung?
Investoren rätseln, ob die eigentlich unabhängige Notenbank unter neuer Führung stärker in den Bann des US-Präsidenten geraten könnte, der kräftige Zinssenkungen sehen will. Trump wolle, dass der Neue die Zinsen senke, wenn es dem Markt gut gehe, hieß es im Handel. Die Inflation würde sich selbst regeln.
Die Fed hatte den Leitzins im Dezember auf die Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent gesenkt. Sie begründete dies mit Schwächesignalen vom Arbeitsmarkt und deutete zudem eine Pause ihres Lockerungskurses an. „Der mittelfristige Zinsausblick dürfte auch maßgeblich von der Neubesetzung des Fed-Vorsitzenden abhängen“, sagen Fachleute der Deutschen Bank rund um den Chefvolkswirt Deutschland, Robin Winkler. Sie sehen den früheren Fed-Direktor Kevin Warsh und den Wirtschaftsberater Trumps, Kevin Hassett, in der engeren Wahl. Beide seien Vertreter einer expansiven Geldpolitik. Neben Hassett und Warsh hatten auch Fed-Direktor Christopher Waller und der Blackrock-Manager Rick Rieder im Weißen Haus als Kandidaten für den Topjob bei der Fed vorgesprochen.
Source: faz.net