Aktien: Gut gemacht, Deutsche Bank!

Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Aktie der Deutschen Bank als sogenannte „Value-Falle“ galt. Damit sind Aktien gemeint, die zwar als außerordentlich günstig erscheinen, weil ihr Wert („Value“) sehr niedrig ist. Was wie eine billige Kaufgelegenheit aussieht, ist in Wahrheit ein hoffnungsloser Fall ohne die Aussicht auf eine echte Kurserholung.

In so einer Situation befand sich nach Ansicht vieler Investoren die Deutsche Bank noch vor einigen Jahren. Ablesen konnte man dies an einer speziellen Kennziffer, dem Kurs-Buchwert-Verhältnis. Es notierte zeitweise bei einem Wert von gerade einmal 0,25. Nach Ansicht der Börse war also jeder Euro, den die Aktionäre der Bank damals zur Verfügung stellten, nur 25 Cent wert.

Es ist darum eine echte Nachricht, dass die Deutsche Bank nun erstmals seit der Finanzkrise 2008 wieder ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von eins aufweist. Das Vertrauen der Investoren ist zurück, die Strategie des Vorstandschefs Christian Sewing hat sich ausgezahlt. Konsequent hat er in den vergangenen Jahren Kosten gespart und sich auch wieder verstärkt um die gebeutelten Aktionäre gekümmert. Eine steigende Ausschüttung und kluge Aktienrückkäufe, die den Kurs stützen, zeugen davon.

Zudem spielen Sewing zwei Dinge in die Hände: Erstens profitiert sein Haus von den Investitionsplänen der Bundesregierung, die ohne Unterstützung der größten deutschen Bank nicht umzusetzen sind. Und zweitens sehen sich angesichts des Gebarens der Vereinigten Staaten immer mehr Unternehmen nach einer Alternative zu US-Banken um. Der erste Punkt weist zugleich auf ein Risiko hin: Dauert die Umsetzung der Vorhaben länger als gedacht, träfe das auch die Deutsche Bank. Bis zum Titel des „europäischen Champions“, den die Bank anstrebt, ist es darum noch weit. Aber ein Anfang ist gemacht.

Source: faz.net