Agrarkonzern in welcher Krise: Die Baywa-Sanierung wackelt schon wieder

Deutschlands größter Agrarkonzern ist beim Abbau der Schulden ein Stück vorangekommen. Wie die Baywa am Mittwoch bekanntgab, reduzieren sich durch die Entkonsolidierung des niederländischen Getreidehändlers Cefetra aus der Konzernbilanz und durch die Verwendung des Kaufpreiserlöses von 125 Millionen Euro die Bankverbindlichkeiten um mehr als 600 Millionen Euro. Der Käufer wird namentlich nicht genannt. Es soll sich, so ist zu hören, um eine Gruppe von acht Investoren handeln. Im vergangenen Sommer war der Verkauf der Cefetra-Anteile an die PGFO um den holländischen Multiunternehmer Peter Goedvolk gescheitert, weil der Käufer den Preis nicht rechtzeitig aufbringen konnte.

Der Verkauf im zweiten Anlauf ist ein kleiner Erfolg für den Sanierungsvorstand Michael Baur, der Mittelzufluss daraus allerdings längst eingepreist. Viel bedenklicher sind für den Münchner Konzern, der nach einer jahrelangen, waghalsigen Expansion rund 6 Milliarden Euro Schulden aufgehäuft hat, die Verwerfungen auf dem Markt für erneuerbaren Energie in den USA, seit dort Präsident Donald Trump mit dem „One Big Beautiful Bill Act“ drastische Kürzungen für Wind- und Solarparks angeordnet hat. Es trifft die hochdefizitäre Tochtergesellschaft Baywa r.e. ins Mark und gefährdet den Sanierungsplan des gesamten Konzerns, wie Anfang Februar in einer Ad-hoc-Meldung eingeräumt wurde. Wie hoch die finanziellen Belastungen sein werden, ist nach Aussage eines Unternehmenssprechers noch unklar.

Wertberichtigungen und Bilanzlücke

Derzeit berechnet der Sanierer Hans-Joachim Ziems die negativen Folgen für die Baywa r.e. und sein Ergebnis dürfte frühestens Mitte März vorliegen. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Baywa r.e. wirken direkt auf die Bilanz der Baywa AG, die als Mehrheitsgesellschafterin Wertberichtigungen bilden muss. Nach allem, was zu hören ist, könnte sich die neue Bilanzlücke auf bis zu eine Milliarde Euro belaufen. Um die zu schließen, sind Verhandlungen mit Banken und Gläubigern unausweichlich. In den gerade begonnen Gesprächen stehe ein Schuldenschnitt oder ein Rangrücktritt im Raum, heißt es in Finanzkreisen. Auf eine Beteiligung des Eigenkapitals drängten demnach die wichtigsten Finanzierungspartner, darunter DZ Bank, Unicredit, Commerzbank, Deutsche Bank und LBBW.

Dass die arg gebeutelten Aktionäre eine neuerliche Rettung des börsennotierten Konzerns finanziell stemmen können und wollen, ist nicht ausgemacht. Größter Aktionär ist die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs AG (BRB) mit 37 Prozent des Kapitals. Die BRB und die dahinterstehenden Volks- und Raiffeisenbanken stemmen einen Großteil der bisherigen Kapitalspritzen von gut einer Milliarde Euro, mit der die Baywa über Wasser gehalten wird. Wegen dieses hohen Engagements lehnen etliche Volks- und Raiffeisenbanken, die 80 Prozent an der BRB halten, eine über das heutige Maß hinausgehende Unterstützung ab. Nicht minder schwach ausgeprägt dürfte der Wille beim zweiten Großaktionär sein, der österreichischen Raiffeisen Agrar Invest (RAIG), der damals die Kapitalerhöhung mit abgesichert hat.

Die Baywa r.e. ist die große Unbekannte in der Sanierung von Deutschlands größtem Agrarkonzern. Dass die Erneuerbare-Energien-Tochtergesellschaft nach so kurzer Zeit den ganzen Konzern schon wieder ins Wanken bringe, stoße bei den Anteilseignern auf Verwunderung und Misstrauen, heißt es in ihrem Umfeld. Zumal die Entwicklung auf dem amerikanischen Wind- und Solarenergiemarkt in der Fortführungsprognose der Baywa r.e schon im vergangenen Jahr vollumfänglich hätte berücksichtigt werden müssen.

Die Baywa r.e. plant, baut und betreibt Solar- und Windparks und profitierte lange vom globalen Ausbau erneuerbarer Energien. In den Boomjahren wurden viele Projekte international akquiriert und die Aktivitäten stark ausgeweitet – überwiegend über Fremdkapital. Die steigenden Zinsen haben die Finanzierungskosten erheblich verteuert, gleichzeitig sind Projektverkäufe ins Stocken geraten, da Investoren angesichts höherer Kapitalkosten zurückhaltender agieren.

Im Sanierungskonzept soll die Baywa r.e. mit gut 2 Milliarden Euro bewertet sein, was angesichts der neuerlichen Schwierigkeiten nicht mehr zu halten sein dürfte; entsprechend niedriger würden die bis Ende 2028 vorgesehenen Veräußerungserlöse ausfallen. Schon im vorigen Herbst hat die Baywa eine erste Risikowarnung für ihre Tochtergesellschaft ausgesprochen, an der die Schweizer Energy Infrastructure Partners (EIP) 49 Prozent hält. Die EIP wollte ursprünglich ihren Anteil auf 65 Prozent aufstocken. Das scheiterte jedoch voriges Jahr an der Finanzierung.

Wird die Hauptversammlung verschoben?

So ist die Baywa r.e. unverändert beim Baywa-Konzern verankert, der seiner Tochtergesellschaft bereits ein Gesellschafterdarlehen von 1,4 Milliarden Euro gewährt hat. Im letzten Geschäftsbericht wurde für die Baywa r.e. noch eine steigende, operative Ertragskraft in Aussicht gestellt. Seitdem sind die Margen im Energiehandel und Projektgeschäft unter Druck geraten; sinkende Strompreise und volatile Märkte belasten die Profitabilität zusätzlich. Nun drohen also Verluste und dem Konzern damit hohe Abschreibungen.

Klar ist nur, dass die Baywa die neuen Verbindlichkeiten nicht aus eigener Kraft bedienen kann. Es wird, so viel steht fest, in den kommenden Wochen ein zähes Ringen mit den Banken und Gläubigern geben. Der Termin für die am 30. April vorgesehene Bilanzvorlage der Baywa dürfte ebenso wenig zu halten sein, wie der Termin für die Hauptversammlung am 15. Juli. Das Aktionärstreffen könnte also abermals schlechte Nachrichten bereithalten. Ein Schuldenschnitt wäre für die Aktionäre mit erheblichen Wertverlusten verbunden. Im Falle einer Insolvenz würden alle verlieren. Aber so weit ist es noch nicht.

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