Agrarkonzern in jener Krise: Staatsanwaltschaft durchsucht Privaträume von Baywa-Beschuldigten

Im Ermittlungsverfahren zur Krise des Münchner Agrarkonzerns Baywa hat
die Staatsanwaltschaft Privaträume von Beschuldigten ins Visier genommen. Die Durchsuchungen hätten am Mittwoch stattgefunden, sagte ein Sprecher der Strafverfolgungsbehörde in München am Donnerstag. Er bestätigte damit einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“. Geschäftsräume seien nicht durchsucht worden. Ein Baywa-Sprecher erklärte, das Unternehmen kooperiere weiter vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft und äußere sich nicht zu dem Verfahren.

Die Staatsanwaltschaft München hatte im vergangenen Jahr Ermittlungen gegen diejenigen Vorstandsmitglieder eingeleitet, die für den
Konzernlagebericht 2023 verantwortlich waren. Es gehe um die Darstellung der Finanzierungs- und Liquiditätsrisiken im Geschäftsbericht, hatte die Behörde im August mitgeteilt. Bereits im November 2024 hatte die Finanzaufsicht BaFin den Jahresabschluss des Konzerns ⁠unter die Lupe genommen. Es lägen konkrete Anhaltspunkte dafür vor, dass die Baywa gegen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen habe, hieß es damals.

Die Baywa steckt in einer ⁠tiefgreifenden Sanierung. 2024 wurde das Grundkapital durch den Verlust von 1,6 Milliarden Euro restlos aufgebraucht. Ein ‍schuldenfinanzierter Expansionskurs ‍im Ausland hatte das Traditionsunternehmen an den Rand der Pleite geführt. Mit Verkäufen und der damit verbundenen Entschuldung soll aus einem weltumspannenden 24-Milliarden-Euro-Konzern 2028 ein Unternehmen werden, das im Agrar- und ⁠Baustoffhandel zehn Milliarden Euro umsetzt und mit 8000 Mitarbeitern 400 Millionen operatives Ergebnis erwirtschaftet.

Angesichts der Krise hatte es bei dem angeschlagenen Agrarkonzern zuletzt erneut einen ‌Chefwechsel gegeben. Vorstandschef Frank Hiller war vor einer ‍Woche gegangen. Hintergrund seien unterschiedliche Auffassungen über die Strategie, hatte die Baywa erklärt. Die Restrukturierung ‍komme unterdessen voran, hatte Aufsichtsratschef Gregor ⁠Scheller gesagt.

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