Afghanistan: Hunderte Afghanen trauern gegen Entzug von Aufnahmezusagen

Hunderte
Afghaninnen und Afghanen wehren sich juristisch gegen den Widerruf ihrer
Aufnahmezusagen durch die Bundesregierung. „Rund 180 Verfahren liegen
bei den Verwaltungs- oder Oberverwaltungsgerichten in Berlin und
Ansbach“, sagte die Sprecherin der Organisation Kabul Luftbrücke, Eva
Beyer, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Viele dieser Verfahren betreffen demnach größere Familien. Zusätzlich seien 18
Verfassungsbeschwerden in Vorbereitung.

Der Organisation zufolge harren derzeit noch 875
Afghaninnen und Afghanen aus verschiedenen deutschen
Aufnahmeprogrammen in Pakistan aus. 55 Menschen wurden den Angaben zufolge im Sommer 2025 aus Pakistan nach Afghanistan abgeschoben.

„Wir schätzen,
dass mindestens 90 Prozent der Menschen Klageverfahren anhängig gemacht
haben, vermutlich mehr.“ Erst 126 Menschen seien bisher nach
Afghanistan zurückgekehrt, nachdem sie das Angebot der Bundesregierung
angenommen hatten, gegen Geld auf eine Aufnahme in Deutschland zu
verzichten. Eine Klage umfasse meist eine Familie, oft handle es sich um fünf
Personen pro Fall. Kabul Luftbrücke koordiniert die juristischen
Bemühungen. Die NGO hatte im Dezember erneut vor der Abschiebung gefährdeter Afghanen aus Pakistan gewarnt, den Betroffenen drohe dort zumeist Haft, Folter und Gewalt.

Grüne kritisieren Fristen der Regierung

Die Bundesregierung hatte im November 2025 entschieden, die „freiwilligen Aufnahmeprogramme für gefährdete Afghanen und Afghaninnen“ zu beenden. Fast die Hälfte von zu der Zeit 2.308 in Pakistan lebenden
Afghanen mit einer Aufnahmezusage aus Zeiten der Ampelregierung dürfen demnach nicht
mehr nach Deutschland kommen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte bot Afghaninnen und Afghanen Geld und Sachleistungen an, wenn sie auf die Einreise nach Deutschland im Rahmen des Bundesaufnahmeprogramms verzichten. 

Die Grünen kritisierten die Bundesregierung,
die Afghanen in Pakistan Fristen zum Auszug aus den Gästehäusern
gesetzt hat. „Es ist absolut inakzeptabel, dass die Bundesregierung
weiterhin afghanische Staatsangehörige aus deutschen Aufnahmeprogrammen
in Pakistan im Stich lässt“, sagt der innenpolitische Sprecher der
Grünenfraktion, Marcel Emmerich, dem RND. „Noch bevor das
Bundesverfassungsgericht eine Grundsatzentscheidung getroffen hat,
sollen diese Menschen nach dem Willen der Bundesregierung in wenigen
Tagen sämtliche Unterstützung verlieren.“

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