Affäre um Epstein-Akten: Auch Starmers Kabinettssekretär tritt zurück

Der britische Premierminister Keir Starmer muss innerhalb weniger Tage den dritten Abgang eines hochrangigen Mitarbeiters verzeichnen. Kabinettsekretär Chris Wormald sei „in gegenseitigem Einvernehmen“ zurückgetreten, hieß es in einer Mitteilung der Regierung. Der Cabinet Secretary leitet die zentrale Behörde des Cabinet Office und gilt als ranghöchster Beamter der britischen Regierung.

Sowohl Starmers Stabschef Morgan McSweeney als auch Kommunikationschef Tim Allan waren zuletzt kurz hintereinander zurückgetreten. Danach rief der schottische Labour-Chef Anas Sarwar Starmer zum Rücktritt auf. Die politische Zukunft des Premiers schien kurzzeitig am seidenen Faden zu hängen.

Anlass für die jüngste Regierungskrise war Starmers Berufung von Peter Mandelson zum britischen Botschafter in Washington, dessen Verbindung zum 2019 verstorbenen US-Finanzier und Pädokriminellen Jeffrey Epstein teils bekannt war.

Dass auch Wormald seinen Posten räumen wird, war britischen Medien zufolge bereits erwartet worden. Nach der Kontroverse um Mandelson will Starmer seine Arbeit und das Team in der Downing Street demnach neu ausrichten.

„Es war mir eine Ehre und ein Privileg, in den letzten 35 Jahren als Beamter zu dienen“, sagte Wormald der Mitteilung zufolge. Der britische Premier erklärte, er sei „sehr dankbar“ für die „lange und herausragende Karriere“ Wormalds im öffentlichen Dienst.

Badenoch: „Starmer will seine eigene Haut retten“

Wormald hatte den Posten des Kabinettssekretärs und obersten Beamten des Landes seit Dezember 2024 inne, übernahm diese Aufgaben also erst kurz vor Mandelsohns Ernennung zum Botschafter. In seiner Funktion als Kabinettssekretär war er jedoch für die Überprüfung von Mandelsons Ernennung verantwortlich.  Britische Medien hatten zudem mehrfach berichtet, dass Starmers Labour-Regierung unzufrieden mit Wormalds Arbeit bei der Reform des öffentlichen Dienstes gewesen sei.

Der Kabinettssekretär habe wie bereits Allan und McSweeney als Bauernopfer für Starmer herhalten müssen, schrieb die konservative Oppositionschefin Kemi Badenoch im Onlinedienst X. Der Premier wolle durch den Rücktritt „seine eigene Haut retten“.

Starmer konnte seinen eigenen Rücktritt bisher abwenden. Wichtige Minister hatten sich am Montag hinter den krisengeplagten Regierungschef gestellt. Doch forderten auch einige Politiker von Starmers Partei seinen Rücktritt, darunter der schottische Labour-Chef Anas Sarwar.

Das Ausmaß der Verbindungen Mandelsons zu Epstein war mit der Freigabe weiterer Epstein-Akten durch das US-Justizministerium Ende Januar bekannt geworden. Demnach soll Mandelson, als er von 2008 bis 2010 Minister unter Premierminister Gordon Brown war, vertrauliche Finanzdaten der damaligen Labour-Regierung an den US-Finanzinvestor Epstein weitergegeben und Geld von ihm angenommen haben.

Source: faz.net