Politiker und Historiker haben das Datum des geplanten Bundesparteitags der AfD kritisiert. Der soll am 3. und 4. Juli in Erfurt stattfinden – genau 100 Jahre nach dem NSDAP-Reichsparteitag, der 1926 in der damaligen thüringischen Landeshauptstadt Weimar stattfand.
Die AfD wisse genau, was sie tue, sagte die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Serap Güler, dem Kölner Stadtanzeiger. „Die bewusst gewählte Parallele zeigt wieder einmal, wessen Geistes Kind die AfD ist.“ Die CDU-Politikerin fügte hinzu: „Es widert mich an, wie wenig Anstand und Respekt diese Partei vor unserer Geschichte hat. Meine Güte, für wie dumm halten die uns alle eigentlich!“
Auch der frühere SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich äußerte sich: „Dieses Parteitagsdatum reiht sich ein in die Behauptung, der Nationalsozialismus sei ein ‚Vogelschiss in der deutschen Geschichte‘ gewesen.“ Der AfD-Parteigründer Alexander Gauland hatte vor einigen Jahren behauptet, der Nationalsozialismus sei „nur ein Vogelschiss“ in der Geschichte Deutschlands. Erneut nutze die AfD gezielte Provokationen, um Aufmerksamkeit zu erregen, sagte Mützenich nun. Ein historischer Zufall, „den man achselzuckend zur Kenntnis nehmen kann“, sei die Wahl des Datums sicher nicht. Wer ein solches Datum wähle, müsse sich der historischen Tragweite
bewusst sein und wissen, welche Assoziationen es wecke.
„Fassade der Bürgerlichkeit“
Der Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung an der TU Dresden, Jörg Ganzenmüller, sprach von „einem bewussten symbolischen Akt, der auf mehreren Ebenen wirkt“. Zum einen sende die AfD damit ein Signal der Verbundenheit an die rechtsextreme Szene, der die Geschichte der NSDAP geläufig ist. „Zum anderen wahrt sie in der Öffentlichkeit die Fassade der Bürgerlichkeit, indem sie sich ahnungslos gibt und die historische Bedeutung herunterspielt. Damit bleibt sie zugleich für andere Wähler anschlussfähig“, sagte er.
Der NSDAP-Parteitag in Weimar gilt als wichtiges Datum für den Aufstieg der Nationalsozialisten. Adolf Hitler und seine Anhänger zogen damals
demonstrativ in das Deutsche Nationaltheater Weimar ein, wo sieben Jahre zuvor die von der NSDAP bekämpfte Verfassung der Weimarer Republik beschlossen worden war. Die Partei traf sich am 3. und 4. Juli 1926 in Weimar zum ersten Parteitag nach ihrer Neugründung, dabei wurde unter anderem die Hitlerjugend gegründet.
AfD spricht von Instrumentalisierung der Geschichte
Der Verein
Weimarer Republik hatte auf die „fatale Parallele“
des Termins hingewiesen. Dieser Zusammenhang erfülle ihn mit Sorge, sagte der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Stephan Zänker.
„Wer wegen des Parteitags der AfD in Erfurt
fatale Parallelen zu einem NSDAP-Parteitag in Weimar vor 100 Jahren
ausmacht, ist offenkundig nur an einer zwanghaften Instrumentalisierung
der Geschichte interessiert“, sagte Stefan Möller, Sprecher der
AfD Thüringen.