Der amtierende Vorsitzende der AfD
Nordrhein-Westfalen, Martin Vincentz, ist erneut an die Spitze des
mitgliederstärksten Landesverbands gewählt worden. Der 39-jährige Arzt
erhielt auf einem Parteitag in Marl 54,7 Prozent der Stimmen. Der eher
gemäßigt auftretende Vincentz setzte sich gegen den
Bundestagsabgeordneten Fabian Jacobi durch, der auf 43,4 Prozent kam.
Vincentz entschied mit seiner Wiederwahl einen
erbitterten parteiinternen Machtkampf in der AfD NRW zwischen einem eher
moderaten und einem äußerst rechten Lager für sich. Gegen Vincentz hatten die von dem völkischen Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich unterstützten Abgeordneten Fabian Jacobi und Christian Zaum kandidiert. Sie wollten eine Doppelspitze bilden, den entsprechenden Antrag lehnten die knapp 500 Delegierten allerdings ab. Schließlich trat Jacobi allein gegen Vincentz zur Wahl um den Vorsitz an und unterlag.
Helferich, gegen den ein Parteiausschlussverfahren läuft, musste damit eine Niederlage hinnehmen. Seit Monaten schon liefert er sich einen teilweise recht schmutzig geführten Machtkampf mit dem vorgeblich gemäßigten Lager um Vincentz. Sein Ziel war es, den Landeschef in Marl zu stürzen. Helferich selbst war nicht anwesend. Der Landesvorstand hatte ihm in einem Beschluss ein Betretungsverbot erteilt.
„Wir wollen keine Verrückten“
Der Abstimmung war eine mehrstündige, zum Teil heftig geführte Debatte vorangegangen. Vor allem die Delegierten der neuen Jugendorganisation Generation Deutschland, die sich geschlossen hinter Helferich versammelt hatten, attackierten Vincentz deutlich. Sie warfen ihm vor, sich nicht ausreichend für die Jugend einzusetzen. „Du bist nicht die AfD“, sagte einer. Vincentz war sichtlich aufgebracht. „Wir lassen uns das hier nicht kaputtmachen“, rief er in den Saal, „wir wollen keine Verrückten von rechts.“
Nach der Debatte kam es zu einer halbstündigen Unterbrechung. Hinter den Kulissen sollte noch einmal eine Konsenslösung zwischen den Lagern verhandelt werden, die allerdings scheiterte. Einigen konnte man sich schließlich bei der Verteilung der Stellvertreterposten. Erster Stellvertreter wurde mit Christian Zaum der Kandidat aus dem Helferich-Lager. Der Vincentz-Unterstützer Sascha Lensing wurde zum zweiten Stellvertreter gewählt. Um Kampfabstimmungen und mögliche Pattergebnisse zu vermeiden, traten beide ohne Gegenkandidaten an.
Martin Vincentz führt den
Landesverband seit 2022. Mit einer erneuten Wahl möchte er sich auch ein Sprungbrett für die Spitzenkandidatur zur NRW-Landtagswahl Ende
April 2027 schaffen. Die AfD könnte einer Umfrage zufolge in dem Bundesland aktuell mit
15 Prozent rechnen. 2022 erreichte sie nur 5,4 Prozent.
Mit Material der Nachrichtenagentur dpa