„Für Crack sind wir zu weit weg“, sagt Heide Gerstenberger während sie Käse auf verschiedene Teller verteilt. Die Bremer Professorin im Ruhestand – eine zierliche Frau mit kurzen grauen Haaren und einer weiten Tunika, der man ihre 85 Lebensjahre nicht ansieht – leitet seit 1993 die Tasse, ein ehrenamtlich betriebenes Café. Man würde ihre Gäste „bedürftig“ nennen, wenn man „arm“ oder „verarmt“ nicht sagen möchte. Und tatsächlich muss man ein bisschen rausfahren aus Bremen, das
Crack-Handelszentrum um den Hauptbahnhof hinter sich lassen, um die Tasse zu
erreichen. Das Café liegt in einer abgelegenen Gegend hinter dem Bahnhof Walle.
Crack, eine Substanz auf Kokainbasis, die im Zeitraffer süchtig macht, gilt als „Armutsdroge“ – und das in einem doppelten Wortsinn. Sie ist einerseits billig
und hat andererseits ein extrem hohes Suchtpotenzial, weshalb permanent
Nachschub besorgt werden muss. Wer beim Einstieg in Crack nicht arm ist, der wird es.