Ob am Nikolaustag oder in der gesamten (Vor-)Weihnachtszeit: Die Deutschen lieben Schoko-Weihnachtsmänner. Wer aber im Supermarkt genau hinsieht, dem vergeht möglicherweise die vorweihnachtliche Stimmung. Denn die Preise der beliebtesten Weihnachtsmänner sind stark gestiegen. Das zeigt eine Auswertung der Preisvergleichsplattform Smhaggle, die der F.A.Z. vorliegt.
Der Lindt Weihnachtsmann Vollmilch (70 Gramm) kostete beispielsweise im vergangenen Jahr noch 3,19 Euro, dieses Jahr sind es 3,99 Euro. Das entspricht einer prozentualen Erhöhung von etwa 25 Prozent. Seit 2022 beträgt das Plus sogar 33 Prozent. Auf F.A.Z.-Nachfrage verteidigt sich Lindt & Sprüngli: Rohstoffpreise seien immer Schwankungen unterworfen, und steigende Kosten seien eine Herausforderung. „Dies gilt insbesondere für Kakao, unseren wichtigsten Rohstoff, dessen Preis in den vergangenen Jahren historische Höchststände erreichte“, heißt es von einem Sprecher.
Das Unternehmen habe sich bemüht, durch Effizienzsteigerungen diese Mehrbelastung aufzufangen. Das sei aber nicht vollumfänglich möglich, weshalb Mehrkosten auch an die Kundinnen und Kunden weitergegeben werden. Was der Schweizer Hersteller zugleich betont: Die Endverbraucherpreise legen die Supermärkte und Discounter fest.
Eigenmarken sind seit 2022 um 202 Prozent teurer geworden
Damit ist Lindt nicht allein. Für den Kinder-Weihnachtsmann von Ferrero (110 Gramm) müssen Verbraucherinnen und Verbraucher mittlerweile 2,99 Euro hinlegen. Das ist eine Steigerung von sieben Prozent und seit 2022 um 50,3 Prozent. Der italienische Hersteller wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern. In den vergangenen drei Jahren ist der Preis für einen Milka-Weihnachtsmann Alpenmilch (45 Gramm) sogar um 59 Prozent nach oben geklettert. Im Vergleich zum vergangenen Jahr beträgt das Plus 36 Prozent. Der US-Hersteller Mondeléz hat auf eine Nachfrage nicht reagiert.
Markenprodukte gelten als vergleichsweise teuer. Die Supermärkte versuchen daher mit ihren Eigenmarken besonders preisbewusste Kunden von sich zu überzeugen. Doch es sind ausgerechnet die Weihnachtsmänner der Eigenmarken (200 Gramm), deren Preise besonders zugelegt haben. Im Vergleich zu 2024 stieg der Preis um 67 Prozent. Um satte 202 Prozent kletterte der Preis seit 2022. Ob Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka – die Preise für Eigenmarken-Produkte sind oft auf den Cent genau gleich.
„In zahlreichen Fällen ist die Preisentwicklung von Eigenmarken im Vergleich zu Markenprodukten nicht nachvollziehbar“, kritisiert Sven Reuter, Geschäftsführer von Smhaggle. „Gerade die Verantwortlichen von Edeka und Rewe betonen regelmäßig, im Interesse der Verbraucher für niedrige Preise zu kämpfen. Doch nicht nur die Preise für Schoko-Weihnachtsmänner zeigen, dass diese Darstellung so pauschal nicht zutrifft.“ Smhaggle wertet im Jahr Millionen von Kassenbons aus. Die Preise beziehen sich auf den Regalpreis. Durch Aktionspreise, die in der Vorweihnachtszeit durchaus verbreitet sind, können die Produkte deutlich günstiger sein.
Große Unterschiede zwischen Nahrungsmitteln und Schokolade
Auch Edeka betont auf Nachfrage die Entwicklung des Kakaopreises. Außerdem seien gerade für saisonale Produkte wie Weihnachtssüßwaren die Vorlaufzeiten lang. „Die Produktion startet bereits im Sommer, Preise und Rohstoffverträge werden meist schon im ersten Quartal eines Jahres zu den dann gültigen Konditionen festgelegt“, teilt ein Sprecher mit. Reuter lässt diese Argumentation kalt: Es werde ausgeblendet, dass der Kakaoanteil bei vielen „Standardschokoladen“ äußerst gering sei. „Die Rohstoffkosten schlagen hier somit deutlich weniger zu Buche als suggeriert wird“, sagt er.
Die drei genannten Markenprodukte und die Eigenmarken sind aber nicht die einzigen Schokoartikel, die deutlich teurer geworden sind. Im Oktober 2025 ist der Preis von Schokolade um mehr als ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Für eine Tafel Schokolade mussten die Kunden durchschnittlich sogar fast 31 Prozent mehr zahlen. Die Verbraucherpreise kletterten im selben Zeitraum nur um 2,3 Prozent, jene für Nahrungsmittel unterdurchschnittlich sogar nur um 1,3 Prozent nach oben.
Womit die Hersteller und Supermärkte recht haben: In den vergangenen Jahren haben die Preise für Zutaten wie Zucker und Kakao ein sehr hohes Niveau erreicht. Doch mittlerweile ergibt sich ein differenziertes Bild. Durchschnittlich waren die Erzeugerpreise von Zucker 2024 mit rund 111 Prozent auf einem mehr als doppelt so hohen Niveau wie 2020. Allerdings hat sich die Lage etwas stabilisiert. Im Juni 2025 befanden sich die Erzeugerpreise von Zucker etwa 40 Prozent unter dem Wert von Juni 2024.
Kakaopreise teilweise schon wieder rückläufig
Die wichtigste Zutat für Schokolade ist Kakao. Im April 2024 beobachtete das Statistische Bundesamt den stärksten Anstieg der Importpreise für Kakao seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1962. Der Import von Kakaobohnen verdreifachte sich mit einem Plus von 208 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Um knapp 173 Prozent stiegen die Einfuhrpreise für Kakaomasse und Kakaobutter. Seitdem befinden sich die Preise immer noch auf einem hohen Niveau, der Anstieg ist allerdings nicht mehr so stark, und zum Teil sind die Preise auch rückläufig.
Als ein wichtiger Grund für die Kakaopreisexplosion gelten Missernten wegen Pflanzenkrankheiten und extremer Trockenheit vor allem in den Hauptanbauländern Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) und Ghana, die zusammen für etwa die Hälfte des Kakaos stehen. Wegen des Klimawandels ist in der Zukunft zu erwarten, dass Extremwetterergebnisse öfter auftreten werden. Die teilweise astronomisch hohen Preise für Kakao an den Börsen betreffen aber nur bedingt das Tagesgeschäft der Hersteller. Nur einen kleinen Bruchteil des Kakaobedarfs decken die Unternehmen über die Börse ab. Der Großteil der Geschäfte wickeln sie hingegen direkt mit den Kakaoanbietern ab. Außerdem schließen Hersteller Absicherungsgeschäfte ab, um sich auf schwankende Preise vorzubereiten. Das mindert den unmittelbaren Einfluss auf die Endverbraucherpreise.
Dennoch ist die Lage ernst. Der Kakaovorrat an den Rohstoffbörsen ist dieses Jahr zum Teil auf ein Rekordtief gesunken. Die Preisexplosion lockte auch Spekulanten an. Zugleich kritisieren Nichtregierungsorganisationen, dass die Bauern in den Kakaoländern immer noch viel zu wenig von der Preisentwicklung profitieren. Viele Bauern müssen von Löhnen leben, die unter dem Existenzminimum liegen. Der Klimawandel könnte deren Probleme verschärfen.