Das neue Jahr ist verhalten gestartet für Europas Autobauer. Experten verweisen auf die Zollunsicherheiten und die wachsende Konkurrenz aus China. Derweil werden Hybrid-Fahrzeuge immer beliebter.
Der Automarkt ist schwach in das neue Jahr gestartet. Wie der europäische Herstellerverband ACEA in Brüssel mitteilte, wurden in der Europäischen Union im Januar 799.625 Pkw neu zugelassen und damit 3,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Allerdings zeigt sich beim Blick auf die einzelnen Antriebsarten, dass vor allem Plug-In-Hybride, also solche Fahrzeuge, die sowohl mit Benzin- als auch Elektroantrieb fahren können, bei den Kunden in Europa beliebter werden. Die Zulassungen stiegen um 6,2 Prozent auf 308.364 Pkw, was einem Marktanteil von 38,6 Prozent entspricht.
E- und Hybrid-Autos besonders gefragt
Dabei waren diese Modelle im Januar besonders in Italien und Spanien gefragt, während der französische Markt stagnierte. In Deutschland sank der Anteil um 1,8 Prozent. Traditionell zeigen die Zahlen beim Ländervergleich, dass neue Antriebe besonders in Skandinavien oder Westeuropa Marktanteile gewinnen, während in Osteuropa weiterhin Verbrennermotoren dominieren.
Fahrzeuge mit einem reinen Batterieantrieb weiteten ihren Marktanteil bei 154.230 Neuzulassungen auf 19,3 Prozent aus, nach lediglich 14,9 Prozent vor Jahresfrist. Der US-Elektropionier Tesla stagnierte allerdings. Die Neuanmeldungen gingen nach den jüngsten Einbrüchen um 1,6 Prozent auf 7.187 Autos zurück.
Neue Förderungskriterien in Deutschland
Kauf und Leasing von Elektro- und Hybridfahrzeugen werden in Deutschland aktuell durch die Bundesregierung gefördert. Seit dem 1. Januar 2026 sind bis zu 6.000 Euro Zuschuss möglich – abhängig von Einkommen, Kinderzahl und Fahrzeugtyp. Die Einkommensgrenze liegt dabei bei 80.000 Euro.
Für reine E-Autos liegt die höchste Fördersumme bei 6.000 Euro, bei einem Hybrid-Fahrzeug bei 4.500 Euro. Dabei erhalten Haushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen unter 60.000 bzw. 45.000 Euro zusätzliche Boni. Außerdem gibt es einen Familienbonus für die ersten beiden Kinder im Haushalt unter 18 Jahren von je 500 Euro. Gewährt wird der Bonus für Privatpersonen, Neufahrzeuge der Klasse M1 und Leasing-Laufzeiten bis 36 Monaten.
VW an der Spitze
Klassische Benzin- und Dieselzulassungen gingen derweil gegenüber Januar 2025 deutlich zurück. Bei 175.989 Fahrzeugen fiel deren Marktanteil von 29,5 auf 22 Prozent.
Unter den Herstellern liegt in Europa der Volkswagen-Konzern an der Spitze, allerdings mit einem Minus von 3,7 Prozent. Auf den Plätzen dahinter folgen die beiden anderen Volumenhersteller Stellantis und Renault. Bei den deutschen Herstellern BMW gingen die Anmeldung bei BMW um 3,3 Prozent zurück, bei Mercedes steigen sie um vier Prozent.
Perspektivisch weniger Absätze
Mit den neuen ACEA-Zahlen setzt sich nach Aussagen von Stefan Bratzel, Experte für Automobilwirtschaft, der Trend eines strukturell schwächeren Absatzes als vor der Corona-Krise fort. Denn im Vergleich zu 2019, dem letzten Jahr vor der Pandemie, fehlen immer noch rund 2,5 Millionen Fahrzeuge, so Bratzel im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion.
Aktuell sorge dabei die unklare Situation um die US-Zollpolitik in der Autoindustrie für viel Unsicherheit. Denn Investitionen, etwa für neue Werke, müssen langfristig kalkuliert sein, damit sie sich rechnen, sagt der Experte. Nach China ist der US-Markt der zweitgrößte Absatzmarkt für Europas Autobauer.
Hinzu komme, dass China selbst ein immer herausfordernder Markt für die Branche sei, so Bratzel weiter. Die Volksrepublik hole auch dank günstiger Preise auf – nicht nur technologisch, sondern auch volumenmäßig.
So hat das Reich der Mitte große Pläne: Im Land soll das größte Autowerk der Welt entstehen mit einer Kapazität von einer Millionen Fahrzeuge, für die Märkte erschlossen werden müssen. Märkte, auf denen auch die deutsche und europäische Autoindustrie absetzen will, die damit weiter unter heftigem Konkurrenzdruck stehen sollte.
Mit Informationen von Robert Minde, ARD-Finanzredaktion.
Source: tagesschau.de