Seturion, die im September 2025 von der Börse gegründete Abwicklungsplattform für den Handel digitaler Wertpapiere („Token“), hat einen ersten Partner gefunden. Der amerikanische Börsenbetreiber Nasdaq werde seine europäischen Handelsplätze an Seturion anschließen, teilte die Börse Stuttgart am Montag mit. Nasdaq, bekannt für die US-Technologiebörse gleichen Namens, hat 2008 den nordeuropäischen Börsenbetreiber OMX gekauft und betreibt seither die Börsen in Schweden, Dänemark, Finnland und Island sowie in den drei baltischen Ländern. In Schweden und Finnland arbeitet Nasdaq mit Euroclear als zentralem Wertpapierverwahrer zusammen, in Dänemark mit Euronext Securities.
Herausforderung für Euroclear, Euronext Securities und Clearstream
Durch die dezentralen Speichermöglichkeiten auf Blockchains werden diese zentralen Wertpapierverwahrer herausgefordert. Derzeit dauert es bis zu zwei Tage, bis nach vereinbartem Kauf an einer Börse ein traditionelles Wertpapier von einem Käufer zum Verkäufer übertragen und die Zahlung eingegangen ist („Settlement“).
Aus Sicht der Börse Stuttgart machen die in jedem europäischen Land meist separat tätigen, oft über eine Monopolstellung verfügenden zentralen Wertpapierverwahrer wie Euroclear, Euronext Securities und Clearstream aus dem Konzern der Deutsche Börse AG den Wertpapierhandel unnötig langwierig und teuer. Blockchains böten nun die Chance, die nationale Zersplitterung der dem Börsenhandel nachgelagerten Infrastruktur („Post-Trade“) zu überwinden, Größenvorteile im Wertpapierhandel zu erzielen und Regulierungshürden zu überwinden.
Konfrom mit Micar und dem DLT Pilot Regime
Seturion soll eine Settlement-Plattform sein, die „vollständig auf europäische Regulierung wie Mifid II und DLT-Pilot Regime abgestimmt ist“, wie es am Montag hieß. Roland Chai, bei Nasdaq für Europa und digitale Assets zuständig, betont die „transformative Chance, Ineffizienzen in Abwicklungs- und Wertpapierverarbeitungsprozessen anzugehen und gleichzeitig das Vertrauen, die Stabilität und die strenge Regulierung zu bewahren, die gut funktionierende Märkte untermauern“.
Allerdings hat eine im Vergleich etwa zu den USA langsame Krypto-Genehmigungspraxis ihren Preis. Auch ein halbes Jahr nach Gründung wartet Seturion noch immer auf eine Lizenz in Deutschland. In der Schweiz dagegen darf die Börse Stuttgart schon seit März 2025 unter dem Namen BX Digital ein DLT-Handelssystem betreiben. DLT steht für Distributed Ledger Technology, bei der Informationen dezentral an mehreren Stellen („Knoten“) gespeichert werden. Die bekannteste DLT-Anwendung sind Blockchains.
Die ganz hohen Erwartungen haben Blockchains bisher nicht erfüllt, zumindest sind sie in der öffentlichen Wahrnehmung hinter Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) zurückgefallen. Insofern ist die Partnerschaft mit der Nasdaq für die Börse Stuttgart ein Hoffnungszeichen. Lidia Kurt, die Seturion leitet, ließ sich mit diesen Worten zitieren: „Finanzmärkte sollten sich nicht länger auf Post-Trade-Infrastruktur verlassen, die nicht für eine digitale Welt konzipiert wurde.“ Sie verspricht, mit Seturion werde „die Abwicklung von Transaktionen grundlegend verbessert, Komplexität reduziert und ein neues Maß an Effizienz ermöglicht“.
Source: faz.net