Die CSU hat eine Abschiebeoffensive
vorgeschlagen – mit Linienflügen nach Afghanistan und Syrien. Das wäre für Deutschland
ein ökonomisches Eigentor und ein gesellschaftlicher Rückschritt. Der
CSU-Vorschlag ist reiner Populismus. Er widerspricht dem Kern des deutschen
Asylrechts und ignoriert die empirisch belegten wirtschaftlichen Chancen
gelungener Integration. Angesichts der demografischen Alterung und des
dramatischen Arbeitskräftemangels wäre dieses Vorhaben ökonomisch
kontraproduktiv, für Unternehmen belastend und volkswirtschaftlich teuer.
Deutschland steht bekanntlich vor
einer demografischen Zäsur. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente, Jahr
für Jahr scheiden mehr Menschen aus dem Arbeitsmarkt aus, als nachrücken. Für
die Unternehmen ist das längst Realität. In vielen Branchen sind fehlende
Beschäftigte der entscheidende Engpass – nicht fehlende Nachfrage. Wer nun
Hunderttausende Menschen, die bereits hier sind, arbeiten oder arbeiten
könnten, aus dem Land drängen will, verschärft die Lage. Das ist keine Wende,
wie es die CSU bezeichnet, sondern eine Selbstschädigung.
Die Arbeitsmarktentwicklung zeigt
zudem klar, wie wichtig Migration bereits heute für die Stabilität der
deutschen Beschäftigung ist. In den vergangenen Jahren gab es einen Zuwachs an
Beschäftigung nur durch Menschen aus dem Ausland – lediglich mit Menschen aus dem
Inland oder EU-Ausland wäre dies nicht zu schaffen gewesen. Das ist keine Meinung, sondern ein statistischer Befund, den auch wirtschaftspolitische Analysen in Deutschland immer wieder betonen.
Besonders deutlich lässt sich das
am Beispiel syrischer Staatsangehöriger zeigen. Das IAB
weist aus, dass im September 2024 rund 287.000 syrische Staatsangehörige
abhängig beschäftigt waren, davon 82 Prozent sozialversicherungspflichtig. Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit dokumentiert zudem, dass die Beschäftigungsquote
syrischer Staatsangehöriger seit 2016 stark gestiegen ist und ein relevanter
Teil des ausländischen Beschäftigungswachstums zuletzt auf syrische
Beschäftigung entfiel. Das sind keine Randgruppen, wie es bei der CSU heißt, sondern
längst ein relevanter Teil des Arbeitsmarkts.
Der Verlust von mehr als 200.000
Beschäftigten aus dem Arbeitsmarkt bedeutet kurz- und mittelfristig eine
konjunkturelle Abwärtsspirale. Beschäftigung sinkt, Unternehmen produzieren
weniger, Einkommen und Konsum gehen zurück – ebenso die Nachfrage. Gerade in
ohnehin schwierigen Zeiten kann das eine erneute Rezession auslösen. Das wird
häufig unterschätzt, weil Migration oft nur als Verteilungsfrage diskutiert
wird. In Wahrheit ist sie auch eine Wachstumsfrage. Wenn Arbeitskräfte fehlen,
werden Aufträge nicht abgearbeitet, Dienstleistungen nicht erbracht,
Investitionen verschoben. Das trifft auch Deutsche unmittelbar: Weniger
Produktion bedeutet weniger Einkommen, weniger Wohlstand und oft auch weniger
Arbeitsplatzsicherheit in den betroffenen Unternehmen.
Migration ist kein Kostenfaktor, sondern ein Gewinn
Der Schaden wäre besonders groß,
weil viele Geflüchtete in systemrelevanten Bereichen arbeiten – in Medizin,
Gesundheit und Pflege, Logistik, Verkehr, Bau, Reinigung, Gastronomie und
Grundversorgung. Gerade hier ist der Personalmangel schon heute spürbar: längere
Wartezeiten, höhere Preise, geschlossene Angebote, überlastete Dienste. Der Mediendienst Integration verweist darauf, dass Menschen syrischer Herkunft überproportional
häufig in Engpassberufen tätig sind; bei syrischen Männern liegen Schwerpunkte
etwa in Verkehrs- und Logistikberufen, im Gastgewerbe, im Gesundheitswesen und
im Bau. Wer hier Arbeitskräfte entfernt, sorgt nicht für mehr Ordnung, sondern macht
das tägliche Leben schwerer – und teurer. Denn Knappheit treibt Preise,
bei Pflegeplätzen, Handwerksleistungen, Transport, Gastronomie, vielen
Dienstleistungen. Die soziale Frage wird dadurch verschärft, nicht gelöst.
Hinzu kommt die fiskalische
Dimension, die in der Debatte oft verzerrt wird. Migration verursacht zunächst
Kosten – das ist banal und selbstverständlich: Unterbringung, Sprachkurse,
Verwaltung, Integration kosten Geld. Aber daraus zu folgern, Migration sei
dauerhaft ein Minusgeschäft, ist empirisch nicht haltbar. Eine oft zitierte ZEW-Berechnung zeigt, dass die 6,6 Millionen Ausländerinnen und
Ausländer, die 2012 in Deutschland lebten, im Laufe ihres restlichen Lebens insgesamt rund 147,9 Milliarden Euro mehr an Steuern und
Sozialbeiträgen zahlen, als sie an Transfers erhalten. Auch neuere Analysen betonen: Entscheidend ist nicht die Ankunft,
sondern die Erwerbsintegration. Auf kommunaler Ebene untersucht eine aktuelle ifo-Studie (mit Daten von 2010 bis 2019), wie
Zuwanderung Ausgaben und Einnahmen beeinflusst, und macht deutlich, dass man die
fiskalische Wirkung seriös nur über beide Seiten – Einnahmen und Ausgaben –
bewerten kann.