Abnehmspritzen: Novo Nordisk sagt „schockierenden“ Umsatzrückgang vorn

Für das dänische Pharmaunternehmen Novo Nordisk hatte das vergangene Jahr eigentlich noch glimpflich geendet. Im Dezember erhielt der Konzern die Zulassung für die Abnehm-Pille für den amerikanischen Markt. Mehr als 170.000 Menschen sollen die Wegovy-Pille, die die gleiche Wirksamkeit wie die gleichnamige Spritze verspricht, bereits innerhalb von vier Wochen eingenommen haben. Umso düsterer fällt nun der Ausblick für das laufende Jahr aus.

Der Umsatz werde 2026 bei konstanten Wechselkursen zwischen fünf und 13 Prozent zurückgehen, erklärte Geschäftsführer Mike Doustdar bei der jährlichen Pressekonferenz am Mittwoch. Im Jahr 2025 ist der Umsatz von Novo Nordisk noch um zehn Prozent auf 82 Milliarden dänische Kronen (rund elf Milliarden Euro) gestiegen.

Pharma-Analyst Markus Manns von Union Investment spricht von einem „schockierenden Ausblick“. Investoren hätten mit einem leichten Umsatzrückgang um drei Prozent gerechnet. „Dass es so schlimm kommen würde, damit hat niemand gerechnet“, sagt Manns. „Die Wachstumsstory des dänischen Unternehmens ist definitiv gebrochen, und es wird vermutlich Jahre dauern, das verloren gegangene Investorenvertrauen wieder zurückzugewinnen.“ Der Konzern versucht das schon jetzt, indem er ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 15 Milliarden Kronen ankündigt.

Auf die düstere Ankündigung reagierte der Markt prompt: Zu Beginn des Handels in Kopenhagen rauschte die Aktie des einst wertvollsten Unternehmens Europas um bis zu 20 Prozent ab. Das ergibt einen Wertverlust von rund 40 Milliarden Euro.

Zwar geht der Pharmakonzern davon aus, dass der globale Markt für Abnehm-Präparate wie Ozempic und Wegovy, sogenannte GLP-1-Medikamente, in diesem Jahr weiterwachsen wird und das Verkaufsvolumen insgesamt steigt. Dem stünden jedoch niedrigere Preise entgegen. Zum einen durch das von US-Präsident Donald Trump in Aussicht gestellte Prinzip, in anderen Ländern auf den niedrigsten Preis zu referenzieren, um die Kosten für amerikanische Patienten zu senken („Most Favoured Nation“). Zum anderen mache sich der Verlust der Exklusivität für den Wirkstoff Semaglutid in den Abnehm-Spritzen Ozempic – zur Behandlung von Diabetes-Patienten – und Wegovy – zur Behandlung von Adipositas-Patienten – in bestimmten Märkten bemerkbar.

So wird der Patentschutz für Semaglutid in diesem Jahr noch in China, wo Wegovy erst 2024 auf den Markt kam, auslaufen. In Kanada ist es bereits passiert. In den USA und der EU ist mit dem auslaufenden Patent voraussichtlich erst Anfang der 2030er Jahre zu rechnen. Die Konkurrenz durch Hersteller von Nachahmer-Arzneimitteln (Generika) wird das erhöhen.

Abnehm-Pille läuft gut an

Doustdar, seit August 2025 an der Spitze des dänischen Unternehmens, betonte, dass das Jahr 2026 einen beispiellosen Preisdruck widerspiegele. „Wir nehmen das nicht auf die leichte Schulter und werden alles in unserer Macht Stehende tun, um die Chancen in Bezug auf Adipositas und Diabetes zu nutzen.“ Geplant sei unter anderem, Innovationen voranzutreiben und die Medikamente-Pipeline zu erweitern. Zum Beispiel soll das hoch dosierte Präparat Wegovy 7.2 in einigen Ländern eingeführt werden. Die Frage, ob sich Novo Nordisk nun in einer Krise befinde, verneinte der Unternehmenschef knapp, aber entschlossen.

Optimistisch stimmt Doustdar das überdurchschnittlich gut anlaufende Geschäft mit der Abnehm-Pille. Diese Akzeptanz sei mehr als doppelt so hoch wie bei den zuvor in den USA eingeführten Markenmedikamenten gegen Fettleibigkeit. Mit einem Preis von 149 US-Dollar ist das Medikament auch deutlich günstiger als die Injektionsspritze, was dem Konzern Zugang zu einem neuen Kanal von Selbstzahler-Patienten verschafft. So zahlten Patienten für die Höchstdosis der Wegovy-Spritze in den USA ursprünglich 1350 Dollar.  In den meisten Fällen wurden die Kosten im Rahmen der Gesundheitsversorgungsprogramme Medicare und Medicaid kaum erstattet. Mit US-Präsident Trump vereinbarte Novo Nordisk im November daher, dass Patienten das Arzneimittel über ein Portal künftig direkt beim Hersteller günstiger kaufen können. Der monatliche Preis für Wegovy sank auf 250 Dollar. Ähnlich musste Konkurrent Eli Lilly seine Abnehm-Spritze Zepbound auf 346 Dollar zu reduzieren, die Marktführer in den USA ist.

Bei der Abnehm-Pille hat Novo Nordisk noch einen Vorsprung. Lange wird es aber nicht dauern, bis auch Lilly seine Adipositas-Pille Orforglipron auf den Markt bringt. Eine Entscheidung wird im nächsten Quartal erwartet. Eli Lilly blickt auf das neue Jahr überraschend positiv: So erwartet das Pharmaunternehmen, dass die Umsätze 2026 um bis zu 27 Prozent steigen dürften. Novo-Nordisk-Finanzchef Karsten Munk Knudsen gibt sich dennoch gelassen. „Wir sind als Erste gestartet, werben mit voller Kraft um Kunden und glauben, das wirksamere Produkt zu haben.“

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