„Abbild der Gesellschaft“Diese Parteien fehlen im Bundestag besonders häufig
09.04.2026, 20:23 Uhr
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Dass Abgeordnete neben Abstimmungen im Bundestag noch andere Verpflichtungen haben, steht außer Frage. Dennoch verpassen einer Analyse des „Spiegel“ zufolge auffallend viele Politiker regelmäßig ihre Termine. Zwei Parteien fehlen besonders häufig.
Im Bundestag verpassen in der laufenden Legislaturperiode am häufigsten Abgeordnete der Linken und der AfD namentliche Abstimmungen. Das geht aus einer Datenanalyse des „Spiegel“ hervor.
Demnach weist die Linksfraktion im aktuellen Bundestag die höchsten Fehlquoten auf. Pro Sitzungstag fehlten im Schnitt rund zehn Prozent ihrer Abgeordneten entschuldigt, gefolgt von der AfD (7,5 Prozent) und den Grünen (6,8 Prozent). SPD und Union lägen jeweils unter fünf Prozent. Auch bei namentlichen Abstimmungen zeige sich dieses Bild: Hier fehlte bei der Linken im Schnitt fast jeder Fünfte, bei der AfD knapp jeder Siebte und bei den Grünen rund jeder Neunte, während es bei den Regierungsfraktionen nur etwa jeder Zwanzigste war.
Ein zentraler Grund für die vergleichsweise geringe Abwesenheit bei SPD und Union sei die knappe Mehrheit der Regierungskoalition. Um Abstimmungsniederlagen zu vermeiden, würde die Präsenzpflicht stärker durchgesetzt, auch durch strengere finanzielle Sanktionen bei unentschuldigtem Fehlen. Wer eine namentliche Abstimmung versäumt, bekommt aktuell 200 Euro gestrichen. Zuvor waren es noch 100 Euro.
Die Analyse zeigt jedoch auch, dass Fehlzeiten häufig nachvollziehbare Gründe haben. Der Bundestag sei ein Abbild der deutschen Gesellschaft. Zu den Gründen zählten demnach Krankheit, Mutterschutz, familiäre Verpflichtungen oder dienstliche Termine außerhalb des Plenums. Abwesenheit sei daher nicht automatisch ein Hinweis auf mangelnde Arbeitsleistung, sondern spiegele oft die Belastungen und Anforderungen des Mandats wider. Laut Bericht des „Spiegel“ blieben in einigen Fällen die Gründe für Abwesenheiten jedoch unklar, was Fragen nach Transparenz und Verantwortung einzelner Abgeordneter aufwerfe.
Den höchsten Wert bei den Fehlzeiten erreicht laut Analyse der fraktionslose Abgeordnete Sieghard Knodel. Er wurde vor einem Jahr über die AfD in den Bundestag gewählt, trat dann aber aus der Partei aus. Knodel kommt demnach auf 44 entschuldigte Fehltage und nahm nur an 5 von 46 namentlichen Abstimmungen teil. Als Grund gab er ein Burn-out an; auf weitergehende Nachfragen „des Spiegel“ reagierte er nicht.
Source: n-tv.de