In den vergangenen Wochen hat sich an den Anleihemärkten ein Wandel vollzogen. Die Renditen deutscher Staatsanleihen sind für zehn Jahre Laufzeit um 23 Basispunkte, also 0,23 Prozentpunkte, gestiegen. Damit haben sich diese stärker erhöht als an den Anleihemärkten aller anderen bedeutsamen Euroländer. Das Plus für Griechenland betrug 19 Basispunkte, für die Niederlande 14, für Spanien sieben und für Italien sechs Basispunkte. Für Frankreich ist die Rendite sogar gesunken. Der Risikoaufschlag gegenüber Deutschland ist damit für alle Länder niedriger. Für Italien liegt er das erste Mal seit Ausbruch der Finanzkrise wieder unterhalb von 60 Basispunkten, also 0,6 Prozentpunkten.
Deutschland bleibt mit 2,85 Prozent Rendite dasjenige Land in der Eurozone, das sich am günstigsten verschulden kann. Doch die Abstände sind gesunken. Italien kommt nun auf 3,44 Prozent, Frankreich auf 3,41 Prozent. Damit liegt Frankreich wieder knapp unter Italien, so wie es angesichts der hohen italienischen Staatsverschuldung seit Einführung des Euros fast immer war. Das hatte sich aber seit Sommer geändert, als Frankreichs Regierungskrisen die Märkte arg strapazierten.
Politisch stabileres Frankreich erwartet
Nun hat sich vergangene Woche die Lage dort etwas entspannt. „Es ist das beste Szenario eingetreten, das man sich in der aktuellen Lage hätte vorstellen können“, sagt Daniel Hartmann, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Bantleon: „Regierungschef Lecornu hat die Sozialisten auf seine Seite ziehen können, und man arbeitet nun in einer Art Allianz zusammen, das haben seine beiden Vorgänger nicht geschafft.“ Der Haushalt für das laufende Jahr werde so durchs Parlament kommen. „Dafür waren Zugeständnisse an die Sozialisten nötig, und Frankreich ist bei der Haushaltskonsolidierung damit weit von einem wünschenswerten Pfad entfernt, aber diese Kröte sind die Märkte bereit zu schlucken für einigermaßen politische Stabilität im zweitwichtigsten Euroland.“
Doch die Konzessionen an die Sozialisten übersteigen alles, was man für möglich gehalten hatte. Die Staatsausgaben bleiben praktisch unangetastet, die Steuern steigen. Insofern erscheint es manchem Marktbeobachter äußerst kurzsichtig, dies zu bejubeln. Der Teilerfolg bestünde einzig darin, dass Lecornu nicht gestürzt worden sei. Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Allianz, betont, dass die französischen Fundamentaldaten besser seien als am Markt wahrgenommen: „Wir haben dort keine fünf Prozentpunkte für den Schuldendienst“, wie es in den USA der Fall sei. „Die Hedgefonds, die aufgrund des politischen Risikos auf Italien umgeschichtet hatten, sind also nun zurückgekommen, da Lecornu standhaft bleibt und der Haushalt verabschiedet wurde.“
Italien finanziert sich wieder teurer als Frankreich
Da sich aber auch die italienischen Renditen gegenüber den Bundesanleihen deutlich besser zeigten zuletzt, ist an den Märkten auch von einer gewissen Bund-Schwäche die Rede. „Das deutsche Fiskalpaket macht hohe Neuemissionen an deutschen Staatsanleihen nötig, und das entfacht Druck auf die Kurse“, sagt Hartmann: „Es spielt aber auch eine Rolle, dass Europa immer mehr als Schuldengemeinschaft wahrgenommen wird, unter anderem angesichts der Pläne für einen gemeinsamen Wiederaufbaufonds für die Ukraine. Da machen Risikoaufschläge irgendwann keinen Sinn mehr.“ Ganz allgemein habe es den Euroländern aber auch genutzt, dass sich der Handelskrieg mit den USA beruhigt habe. „Trumps Zolldrohungen haben sich wieder als stumpfes Schwert erwiesen, und das ist positiv für Europa insgesamt.“
Der Dollar verlor am Mittwoch weiter an Wert. Es mussten erstmals seit vier Jahren mehr als 1,20 Dollar für einen Euro gezahlt werden. Der Renditeabstand der Amerikaner zu den deutschen Bundesanleihen weitete sich nochmals aus. Den 2,85 Prozent, die hierzulande für die Schuldenaufnahme für zehn Jahre gezahlt werden müssen, stehen 4,23 Prozent in den USA gegenüber. In Großbritannien sind es sogar 4,5 Prozent, der Abstand zu Deutschland schrumpfte zuletzt aber. In Japan indes steigen die Renditen weiter am schnellsten und erreichen nun für japanische Verhältnisse sehr hohe 2,23 Prozent. Vergangenes Jahr waren nach sehr langer Zeit die Renditen dort wieder auf mehr als ein Prozent gestiegen. Der Aufwärtstrend der Zinslast für das sehr hoch verschuldete Land hat sich seither beschleunigt. Der Yen verliert entsprechend an Wert, selbst zum schwachen Dollar. Deswegen wird an den Märkten intensiver über Stützungsaktionen durch Japan und die USA spekuliert. Äußerungen von Donald Trump, der kräftige Verlust des Dollars sei „großartig“, verstärkten die Spekulation, dass der Dollar die vom US-Präsidenten gewollte Schwächephase fortsetze und er nichts gegen eine Stärkung des Yen habe.
Trump sieht den Dollar unfair hoch bewertet und als Hemmnis für US-Exporte. Als sicherer Hafen gilt vor allem Gold. Der Preis stieg am Donnerstag auf rekordhohe 5500 Dollar je Unze zu 31,1 Gramm.
Source: faz.net