250 Gefangene freigelassen : US-Besuch des belarussischen Diktators Lukaschenko könnte näherrücken

250 Gefangene freigelassen US-Besuch des belarussischen Diktators Lukaschenko könnte näherrücken

19.03.2026, 22:12 Uhr

Artikel anhören(04:34 min)

Der US-Gesandte Coale (l) war bereits dreimal in Minsk – nun wird Lukaschenko möglicherweise in die USA reisen. (Foto: picture alliance/dpa/Belarusian Presidential Press Service)

Belarus‘ Machthaber Lukaschenko ist enger Russland-Vertrauter und unterstützt Putin im Ukraine-Krieg. Dafür straft ihn die EU mit Sanktionen und Isolation. Die USA unter Trump wählen einen anderen Kurs: Sie nähern sich ihm an – im Gegenzug lässt der Staatschef Hunderte Häftlinge frei.

Die US-Führung von Präsident Donald Trump bereitet nach Worten ihres Sondergesandten John Coale einen möglichen Besuch des autoritären belarussischen Staatschefs Alexander Lukaschenko vor. Bei Unterredungen in Minsk sprach Coale mit Lukaschenko über die Kriege im Iran und in der Ukraine sowie über bilaterale Beziehungen, wie die staatliche belarussische Nachrichtenagentur Belta meldete. Dies wäre ein Durchbruch für den seit 1994 regierenden autoritären Staatschef, der nach Jahren der Isolation seine Beziehungen zu den USA und Europa verbessern will.

„Wir sprachen auch über eine mögliche Reise von Präsident Lukaschenko in die USA“, sagte Coale vor Fernsehkameras. Auch ein Telefonat mit Trump sei möglich. US-Sanktionen gegen das belarussische Finanzministerium, zwei Banken sowie zwei Düngemittelhersteller würden aufgehoben. „Präsident Trump nennt Lukaschenko ständig einen guten Freund und respektierten Anführer“, führt Coale aus. Anders als die EU, die Lukaschenko wegen seiner Menschenrechtsverstöße isoliert hat, setzen die USA auf Fortschritte durch direkte Kontakte nach Minsk. Trump nahm das Land auch in seinen „Friedensrat“ auf.

Nach dem mittlerweile dritten Besuch des US-Vertreters ließ Lukaschenko nach Angaben von Coale auch 250 Häftlinge frei. Der Vorgang sei „ein bedeutender humanitärer Meilenstein“, schrieb der von US-Präsident Donald Trump ernannte Coale im Onlinedienst X. Er belege Trumps „Einsatz für eine direkte, kompromisslose Diplomatie“. Seinem nach eigenen Angaben an der belarussisch-litauischen Grenze verfassten X-Beitrag fügte Coale ein Foto mehrerer Freigelassener bei.

Zu den Freigelassenen zähle die Fernsehjournalistin Jekaterina Andrejewa, berichtete das oppositionelle belarussische Portal „Nascha Niwa“. Andrejewa war wegen ihrer Reportagen über die Massenproteste gegen Lukaschenkos manipulierte Wiederwahl 2020 inhaftiert worden. Laut der Bürgerrechtsorganisation Wjasna (Frühling) waren unter den Freigelassenen auch die Menschenrechtsaktivisten Valentin Stefanowitsch, Anastasija Loika und Marfa Rabkowa. Rabkowa war Koordinatorin des Freiwilligennetzwerks der Menschenrechtsgruppe Wjasna. Sie war im September 2020 festgenommen worden und verbüßte eine Haftstrafe von 14 Jahren und neun Monaten wegen Extremismus und anderer Vorwürfe, die sie bestritt.

Immer noch viele Gefangene

Immer noch zählen Bürgerrechtler in Belarus aber bis zu 1400 politische Häftlinge. Viele von ihnen wurden nach der umstrittenen Wiederwahl Lukaschenkos 2020 festgenommen. Damals gingen Hunderttausende Menschen in Belarus auf die Straße, um gegen politische Unterdrückung und Wahlbetrug zu demonstrieren.

„Obwohl ich Ihnen immer wieder sage, dass wir keine politischen Häftlinge haben“, werde er mit Coale über die Frage sprechen, sagte Lukaschenko dem US-Gesandten zu Beginn des Treffens, das teilweise im Fernsehen übertragen wurde. Auf den Bildern war zu sehen, wie Coale Lukaschenko zur Begrüßung umarmte.

Zuletzt hatte Coale Lukaschenko im Dezember in der belarussischen Hauptstadt getroffen. Im September hatte Minsk nach Vermittlungsbemühungen der US-Regierung Dutzende politische Gefangene freigelassen. Im Gegenzug hoben die Vereinigten Staaten einige Sanktionen gegen Belarus auf.

Der Langzeitherrscher Lukaschenko ist der engste Verbündete von Kremlchef Wladimir Putin. Er hatte sein Land 2022 auch als Aufmarschgebiet für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zur Verfügung gestellt.

Quelle: ntv.de, mwa/AFP/dpa/rts

Source: n-tv.de