2400 Polizisten im Einsatz – Umstrittener Atommüll-Transport in Ahaus angekommen

So viel Polizei wie selten: Der erste Castor-Behälter hat sein Ziel schneller als geplant erreicht. Gegner demonstrierten friedlich. Die Kolonnenfahrt auf der Autobahn ist lediglich der Auftakt einer ganzen Serie von Atommüll-Transporten.

Minutenlang nur Blaulicht auf sonst leeren Autobahnen: Mit einem enormen Aufwand hat die Polizei den ersten Atommüll-Transport vom rheinischen Jülich nach Ahaus im Münsterland quer durch Nordrhein-Westfalen abgesichert.

Etwa 100 Fahrzeuge bildeten am späten Abend einen riesigen Konvoi. Darunter befanden sich Dutzende Polizeifahrzeuge, die etwa als Vorhut oder Nachhut um den Schwerlasttransporter mit der brisanten Fracht fungierten.

Die Kolonnenfahrt auf der Autobahn war lediglich der Auftakt einer ganzen Serie von Atommüll-Transporten. Nur ein einziger Castor-Behälter mit strahlender Altlast war bei dieser großangelegten Aktion aus dem früheren Versuchsreaktor Jülich verlegt worden. Weitere 151 Castor-Behälter sollen ebenfalls auf der Straße zum Zwischenlager Ahaus transportiert werden. Auch wenn möglicherweise künftig drei Schwerlasttransporter gleichzeitig losfahren, wären es immer noch um die 50 Konvois.

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Vor dem Start des ersten Konvois demonstrierten in Jülich, Duisburg und Ahaus Gegner der Atommüll-Transporte. Unter den Organisatoren war die Umweltorganisation BUND, die die Transporte per Gericht stoppen wollte.

Kerstin Ciesla, Vize-Landeschefin des BUND NRW machte bereits am Tag zuvor deutlich, dass die juristische Auseinandersetzung im Hauptverfahren weitergehe. Im Eilverfahren hatte der BUND mit Sicherheitsbedenken keinen Erfolg.

Die NRW-Polizei setzte beim Auftakt der umstrittenen Transporte mit etwa 2.400 Beamten besonders viele Kräfte ein. Der Großteil der Polizisten war am Start oder Ziel postiert, andere sicherten die zügige Fahrt des Konvois ab.

Jahrelanges Tauziehen um Jülicher Atommüll

Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hatte die umstrittenen Atommülltransporte durch NRW am 25. August genehmigt. Nach früheren Angaben des Bundesamtes wurden 152 Einzeltransporte beantragt, die aber gebündelt werden könnten. Es gibt demnach vier geeignete Transportfahrzeuge, die je einen Behälter auf einmal transportieren könnten.

Für die Lagerung in Jülich lief die letzte Betriebsgenehmigung bereits im Jahr 2013 aus. Das NRW-Wirtschaftsministerium hatte 2014 angeordnet, das Lager in Jülich zu räumen, weil die Erdbebensicherheit nicht nachgewiesen werden konnte. Jahrelang wurden mehrere Optionen geprüft.

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Aus Sicht des Landes wäre ein Neubau in Jülich die beste Lösung gewesen. Das sei von der Bundesebene nicht unterstützt worden, hatte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) erklärt. Anwohner und Aktivisten stemmen sich seit langem gegen Atommülltransporte nach Ahaus.

Sechszehn Zwischenlager, kein Endlager – „Sinnlose Mammutaufgabe“

Kritik kam auch aus Reihen der Polizei. Als „sinnlose Mammutaufgabe“ hatte der NRW-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Patrick Schlüter, im August 2025 die Transporte mit Begleitschutz kritisiert. Die Politik drücke sich um die Endlagerfrage und lasse Atommüll von einem Zwischenlager ins nächste fahren.

Es gibt in Deutschland derzeit noch keine Endlager, in denen auf Hunderttausende Jahre hinweg strahlender Atommüll sicher gelagert werden soll. Stattdessen gibt es sechzehn Zwischenlager, darunter das in Ahaus.

dpa/jmr

Source: welt.de

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