Ein Euro kostet wieder mehr als 1,20 Dollar. So teuer war der Euro zuletzt 2021. Das zeigt aber nicht eine Stärke Europas, sondern die Schwäche Amerikas. Der Dollar-Kurs ist auch zu anderen Währungen gefallen.
Das ist nicht neu, die Abwärtsbewegung begann schon 2022. Aber sie hat sich 2025 und 2026 noch einmal beschleunigt, allein in den vergangenen zwei Wochen verlor die US-Währung vier Cent an Wert. Das ist am Devisenmarkt ein kräftiger Einbruch. Ursache sind Donald Trumps Handels- und Zollkonflikte, die Attacken gegen die amerikanische Notenbank, die hohe Verschuldung der USA und jüngst noch die Grönland-Krise und die verbalen Angriffe gegen die Europäer. Die USA verspielen so das Vertrauen in den Dollar als Weltleitwährung. Erste Investoren bauen ihre Dollar-Geldanlagen ab.
Trump wird zufrieden sein. Er will einen schwachen Dollar, weil das hilft, das Handelsbilanzdefizit abzubauen. Die Dollarschwäche verbilligt amerikanische Produkte, die zudem von den Zöllen gegen die ausländische Konkurrenz profitieren. Was der Präsident unterschlägt: Ein schwächerer Dollar verteuert Importe, die Inflation im Land steigt. Das könnte die Chancen der Republikaner bei den Parlamentswahlen im Herbst schmälern.
Aber auch Europa leidet. Denn im Umkehrschluss wird die Exportindustrie des Kontinents zusätzlich belastet. Ihre Produkte, die schon unter den Zöllen leiden, werden durch einen starken Euro teurer. Das ist gerade für Deutschland mit seinen weltweit exportierenden Unternehmen ein Problem und wird das Wirtschaftswachstum weiter bremsen. Dass die Inflation durch einen starken Euro niedrig bleibt, ist ein schwacher Trost. Die Börsen scheint das alles noch kalt zu lassen. Doch irgendwann werden sie das Problem nicht mehr ignorieren können.
Source: faz.net