Union in Baden-Württemberg: Tobsuchtsanfall bitte sehr verfertigen

Man fasst sich an den Kopf. Spätestens seit der letzten
Bundestagswahl, im Grunde aber schon seit Jahren, lautet die Botschaft der
Union, man sei „die letzte Patrone der Demokratie“. Wenn es den Parteien der
Mitte nicht sehr bald gelänge, die Probleme zu lösen, die auf dem Tisch liegen,
dann werde es schnell zappenduster. Die Rede vom Jahr 2033 macht die Runde.

In dieser Lage machen ihnen die Wähler von Baden-Württemberg
ein Geschenk; keine Patrone, sondern einen funkelnden Schatz – und die CDU ist
beleidigt. Statt sich über knapp 30 Prozent der Stimmen zu freuen – und über satte
60 Prozent für eine mögliche Koalition mit den Grünen –, sinnt die CDU auf Rache
für die angebliche grüne Schmutzkampagne mit dem „Rehaugen-Video“. Aus unbändiger
Wut über den knappen Sieg der Grünen verlangt sie nun von deren
Spitzenkandidaten Cem Özdemir Demutsgesten, die eine Koalition auf Unterwerfung
statt auf Vertrauen gründen würde. Angeblich kursieren in Stuttgart jetzt
Listen von CDU-Forderungen, die der Grüne ohne Wenn und Aber abnicken und damit
den Bruch mit seiner eigenen Partei öffentlich bekunden soll. Die bizarre
Hoffnung: Man verhindert eine Regierungsbildung und bekommt im Herbst
Neuwahlen. Wer davon profitieren würde, kann jeder selbst ausrechnen.