Schwächer wie erwartet: US-Wachstum verliert offensichtlich an Schwung

Container im Hafen von Los Angeles, USA.

Stand: 20.02.2026 • 17:58 Uhr

Die US-Wirtschaft hat sich zum Jahresende 2025 schwächer entwickelt als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt stieg deutlich weniger als von Experten erwartet. Ist der Shutdown ein Grund dafür?

Im vierten Quartal 2025 ist das Bruttoinlandsprodukt in den USA im Vergleich zum Vorquartal annualisiert um 1,4 Prozent gestiegen. Das teilte das Handelsministerium in Washington mit. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Plus von 2,8 Prozent gerechnet. Im dritten Quartal hatte das BIP noch um 4,4 Prozent zugelegt.

Im gesamten vergangenen Jahr hat sich das Wachstum damit abgeschwächt. 2025 ist die US-Wirtschaft um 2,2 Prozent gewachsen. 2024 hatte das Wachstum noch 2,8 Prozent betragen.

In den USA werden die Daten zum Wirtschaftswachstum annualisiert veröffentlicht. In Europa wird auf diese Methode verzichtet, weshalb die Zahlen nicht direkt miteinander vergleichbar sind. Um auf eine mit Europa vergleichbare Wachstumsrate zu kommen, müsste man die US-Rate durch vier teilen.

Wie gravierend war die Haushaltssperre?

Da ‌im Herbst wegen des Haushaltsstreits die Regierungsgeschäfte für 43 Tage weitgehend ruhten, wurde die Konjunktur dadurch gehemmt. Dieser sogenannte Shutdown dürfte laut der US-Notenbank Fed schätzungsweise ​einen Prozentpunkt Wachstum gekostet haben.

US-Präsident Donald Trump hatte schon vor Bekanntgabe der Ergebnisse in den sozialen Medien geschrieben, dass der zeitweise Regierungsstillstand mindestens zwei Prozentpunkte an Wachstum gekostet habe. Er machte die oppositionellen Demokraten dafür verantwortlich. Sie hätten im Oktober und November die längste Haushaltssperre der US-Geschichte verursacht, schrieb er in seinem Onlinedienst Truth Social. Das hätte die USA „mindestens zwei Prozentpunkte des BIP“ gekostet.

Der unabhängige Haushaltsausschuss (CBO) im Kongress hält die Folgen des „Shutdown“ im Herbst für weniger gravierend. Er schätzte laut einer Erklärung von Ende Januar, „dass bis zum ersten Quartal des Haushaltsjahres 2027 die kumulativen Auswirkungen eines sechswöchigen Shutdowns auf das reale BIP einen Verlust von elf Milliarden US‑Dollar betragen würden – weniger als ein Prozent des BIP“.

Gemischte Meinungen unter Experten

Bei Analysten stießen die Wachstumszahlen auf ein gemischtes Echo. Der US-Experte von KfW Research, Stephan Bales, erklärte, unter dem Strich stehe mit 2,2 Prozent „ein solides Wachstum“. Das sei „angesichts der hohen politischen Unsicherheit und dynamischer Kurswechsel bemerkenswert“. Entscheidend für den weiteren Verlauf werde sein, dass die eingetrübte Zuversicht der Haushalte den privaten Konsum nicht stärker bremse.

Heather Long, Chefökonomin der US-Kreditgenossenschaft Navy Federal Credit Union, nannte die Lage durchwachsen: „Solider Konsum und der KI-Boom haben das Wirtschaftswachstum in Gang gehalten“, erklärte sie mit Blick auf die Milliarden-Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI). Mangels Beschäftigungswachstum seien aber viele Amerikaner „frustriert und verunsichert“.

Welche Auswirkungen auf US-Notenbank?

Offen bleibt, wie sich die Daten auf die künftige Geldpolitik der US-Notenbank auswirken werden. Trump hatte immer wieder starken Druck auf die Fed ausgeübt und deutliche Zinssenkungen gefordert. Die Amtszeit von Notenbankchef Jerome Powell endet im Mai. Trump hat Kevin Warsh als möglichen Nachfolger nominiert.

„Die Fed dürfte sich durch die unerwartet schwache Wachstumszahl im vierten Quartal wohl nicht zu rascherem Handeln drängen lassen“, erwartet Christoph Balz, Volkswirt bei der Commerzbank. „Wir gehen weiter davon aus, dass die Fed erst gegen Mitte des Jahres die Zinsen senkt, wenn der neue Notenbank-Chef ins Amt kommt.“

Source: tagesschau.de